ar KEN ORSERTUN

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Der Branntwein wurde zuerst. hauptsächlich nur .aus Wein, dann. aus
Getreide hergestellt, Schon im vorigen Jahrhundert begann man die
Bereitung aus Kartoffeln, die seit den dreißiger Jahren des 19, Jahrhunderts
 . besonders in Deutschland. größere Dimensionen angenommen.
und hier die hauptsächlichste Bedeutung gewonnen hat. In Ungarn,
Rumänien und den Ver, Staaten wird hauptsächlich Mais dazu ver*
wendet, in Oesterreich mehr Roggen. In Süddeutschland verarbeiten
die kleinen Brennereien sämtlich Obst, Treber u. dergl.; im Norden
auch Melasse.
Der Branntwein ist unbedingt das schädlichste der alkoholischen
 Getränke; nicht nur durch seinen hohen Alkoholgehalt, sondern
noch durch das Fuselöl, welches ihm auch durch einen besonderen
Raffinationsprozeß nicht völlig entzogen werden kann. Besonders
wirkt der regelmäßige und dauernde Genuß zerstörend auf das Nervensystem.
 Man rechnet in Deutschland, daß durchschnittlich 10000
Alkoholisten sich in den Krankenhäusern befinden, und besonders sind
sie in den Irrenanstalten in großer Zahl anzutreffen.. Durch genaue
Untersuchungen ist festgestellt, daß schon geringe Quantitäten Alkohols
 die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, dauernder Konsum
leicht Geisteskrankheiten herbeiführt, In der Breslauer und der Berliner
Irrenanstalt Herzberge waren 30%, aller aufgenommenen männlichen
Kranken Alkoholiker.
Es ist außerdem von Forel beobachtet, daß 75 %, von einer großen
Zahl daraufhin kontrollierter Idioten von Eltern stammten, von denen
ein Teil oder beide Alkoholiker waren. Man hat deshalb in der
neueren Zeit darauf hinzuwirken gesucht, nur ein möglichst fuselfreies
Getränk zum Konsum gelangen zu lassen. In Italien werden 2 pro
Mille als Maximum gesetzlich festgestellt; in der Schweiz 3 pro
Mille. Auch in Deutschland war dasselbe akzeptiert, ist aber
wieder fallen gelassen, weil sich gerade der Alkohol aus Trebern usw.
als fuselreicher erwies, und man diesem Kleinbetrieb die Raffinierung
nicht zumuten konnte.
Da nun in der neueren Zeit genugsam nachgewiesen ist, daß
gerade die kleinen Brennereien die Trunksucht verbreiten, indem das
eigne Erzeugnis zum täglichen Nahrungsmittel in sehr reichlichem
Maße benutzt und sogar als Teil des Lohnes in Aurechnung gebracht
wird, so sind besondere Rücksichtnahmen auf die kleinen Brennereien
nicht mehr zu rechtfertigen, Ebenso ist auf Grund der Erfahrung eine
Verminderung der Ausschankstellen, welche zum Konsum anregen, unbedingt
 zu erstreben, während eine hohe Belastung des Branntweins aus
sanitären wie sozialen Rücksichten in hohem Maße wünschenswert ist.
Die Branntweinbrennerei hat aber eine besondere Bedeutung für
die Landwirtschaft. Da der Alkohol keine mineralischen Pflanzennährstoffe
 enthält, wird durch die Brennerei ein Produkt erzielt, welches
dem Boden keine Kraft entzieht, die Nährstoffe verbleiben vielmehr
in den Rückständen des Brennprozesses, der Schlempe der Wirtschaft
als wertvolles Viehfutter und werden dem Boden als Düngestoffe wieder
zugeführt. In Deutschland kommt dieses gerade dem leichten Boden
besonders zugute, der zur Produktion von Futterkräutern weniger geeignet
 ist, dagegen vortreffliche Kartoffeln liefert; die Brennereiwirtschaften
 sind daher in der Lage, die Ertragsfähigkeit des leichten
Bodens am besten zu steigern. Man hat deshalb lange geglaubt, die
Brennerei in Gevenden mit leichtem Boden und erößeren Gütern über-