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Der Tabak ist als ein entbehrliches Genußmittel ein sehr geeignetes
 Steuerobjekt, welches um so leichter auch eine höhere Auflage
 tragen kann, als dadurch Frauen und Kinder im großen Ganzen
nicht getroffen werden, sondern allein der erwachsene Mann, der von
dem Tabak Gebrauch macht. Der Gebrauch des Tabaks dokumentiert
 eine Leistungsfähigkeit, welche der Staat sehr wohl für seine
Kasse verwerten kann. Der vielfach ins Feld geführten Pfeife des
armen Mannes kann durchaus dabei Rechnung getragen werden. Wohl
wird ein gewissenloser Raucher wie Trinker lieber die Familie darben
lassen, als auf den Genuß verzichten, doch wird dieses nur die Ausnahme
 sein, welche unmöglich berücksichtigt werden kann. Solange
der Staat genötigt ist, die unteren Klassen mit zu Zahlungen heranzuziehen,
 wird auch die Tabaksteuer in erster Linie ihre Berechtigung
haben. Der Konsum findet hauptsächlich in vier Formen statt: als
Schnupf-, Kau-, Rauchtabak und als Zigarre und Zigarette. In
Oesterreich geht die Verwendung des Schnupftabaks in erheblichem
Maße zurück, Auch die Verwendung des Rauchtabaks nimmt ab,
während die Verwendung von Zigarren und Zigaretten steigt. In
Frankreich nimmt dagegen der Konsum von Rauchtabak, noch
mehr der von Zigaretten, zu.
Der Tabakbau kann nicht als förderlich für die Landwirtschaft
angesehen werden, wie der Rübenbau. Er macht vielmehr sehr hohe
Ansprüche an mineralische Pflanzennährstoffe und saugt den Boden
in hohem Maße aus, so daß eine lange Dauer des "Tabakbaues nur
bei sehr starker Düngung ohne schädliche Folgen für den Boden bleibt.
Dagegen ist er gerade für den kleinen Bauer eine vortreffliche Einnahmequelle,
 wobei die Ueberlegenheit des Kleinbetriebes besonders.
zum Ausdruck kommt. Die Tabakpflanze bedarf einer sehr sorgfältigen
 eingehenden Behandlung, der Tabakbau daher großer Arbeitskräfte,
 die der Bauer mit Frau und Kind billiger hat als der Gutsbesitzer,
 und bei dem hohen Ertrage, den der Tabak bei günstigem
Klima und geeignetem Boden zu gewähren vermag, ist auch bei einer
kleinen Fläche ein erwünschter Zuschuß zu erzielen. In Deutschland
 stellte sich nach der offiziellen Schätzung der Preis der Tonne
trockener Blätter in den letzten zehn Jahren auf durchschnittlich
812 Mk. und der Ertrag pro Hektar Tabaklandes auf 853 Mk. Es
wurden im Jahre 1901 auf 16963 ha von 67812 Tabakpflanzern,
durchschnittlich 24,6 a pro Pflanzer, 40013 t Tabak erzielt. Der gesamte
 Brutto-Geldertrag des Tabakbaues wird nach Abzug der Steuer
auf 19,9 Mill. Mk, beziffert.
Bei der Ernte des Tabaks ist besondere Sorgfalt auf die Erhaltung
 der einzelnen Blätter zu legen, welche der Pflanzer mit seiner
Familie besser anwendet als bezahlte Kräfte, Die geernteten Blätter
müssen sorgfältig getrocknet werden (da man sie vielfach unter dem
Dache aufhängt, heißt es nach dem technischen Ausdrucke: „dachtrocken“
gemacht werden), worauf sie im Winter längere Zeit auf Haufen gelegt
sich selbst überlassen bleiben, um einen Fermentationsprozeß durchzumachen,
 der ihr Volumen nicht unbedeutend vermindert. Nach;
dem sie im Mai eine Nachgärung durchgemacht haben, sind die Blätter
zur Verarbeitung reif, ;
(S, Tabelle S. 118.)
In verschiedenen Staaten wird der Tabak nur durch einen Zoll
besteuert, so in dem britischen Reiche unter Verbot des Tabak-