Vorwort zur dritten Auflage. Hiermit übergebe. ich den ersten Teil meines Grundrisses in wesentlich erweiterter Form der Oeffentlichkeit. Ich konnte es mir nicht verhehlen, daß die bisherige Ausgabe hauptsächlich nur eine Ergänzung meiner Vorlesungen für meine eigenen Zuhörer bildete. Ich habe nun versucht, den Grundriß auch einem weiteren Publikum zugänglich zu machen. Wie ich meine Hauptlebensaufgabe stets nur in der Lehrtätigkeit gesehen habe, so prätendiere ich auch hiermit nicht, die Wissenschaft wesentlich zu fördern. Ich habe vielmehr nur versucht, was. ich als Gemeingut der Wissenschaft ansehe, über- sichtlich zusammenzufassen, wobei doch der Natur unserer Wissen- schaft gemäß der individuelle Standpunkt zur Geltung kommt. _. Wie es in den Vorlesungen die Aufgabe ist, in gedrängter Form nur das Wesentlichste auszuwählen und den Hörer mit Nachäruck darauf hinzuweisen, das Unwesentliche. aber möglichst zurücktreten zu lassen, so ist es in gleicher Weise in einem Grundriß der Fall. Wie dort.so handelt es sich auch hier nur darum, die hauptsäch- tichsten Lehren als Grundlage zu geben, in die Methode einzuführen, das Interesse zu wecken und zum weiteren Forschen anzuregen. Der Erfolg hängt deshalb dort wie hier davon ab, das Wesentliche vom Unwesentlichen in der richtigen Weise zu scheiden und für die Dar- stellung die richtige Form zu finden. Von diesem Standpunkt aus will die Schrift hauptsächlich beurteilt sein. Ein Grundriß soll nicht ein Lehr- und Handbuch ersetzen, in welchem das ganze Material niedergelegt sein muß, um daraufhin selbständig fortarbeiten zu können. Deshalb ist dort großes Gewicht auf eine umfassende Zusammenstellung der einschlagenden Literatur zu legen. In einem Grundriß wie in einer Vorlesung wirkt es nur verwirrend auf den Leser wie den Hörer, wenn ilm eine zu große Auswahl von Schriften vorgelegt wird, weil er selbst die richtige Wahl nicht zu treffen vermag. Ich habe deshalb diese möglichst be- schränkt, wobei natürlich wiederum das individuelle Urteil des Ver- fassers einseitig zur Geltung kommt. Mein Bestreben ist es vor allem gewesen, dem Leser das Material zu liefern, sich ein eigenes Urteil über die vorliegenden Fragen bilden zu können, erst in zweiter Linie und nachträglich habe ich meine eigene Ansicht ausgesprochen. Beides ist für den nötig, der erst in die Wissenschaft eingeführt sein will. Er bedarf eines Anhaltes an der Auffassung des Autors, muß aber die Möglichkeit haben, auf Grund des vorgelegten Wissensstoffes und durch die Vergleichung