17 Teil des Lebensbedarfs durch Arbeit und Tausch aus dem Besitze Anderer genommen werden muß, Das Bedürfnis und die Seltenheit sind neuerdings von Karl Menger and seiner Wiener Schule, Wieser, Böhm-Bawerk, dann von Patten, Gide und Anderen nach dem Vorgange von Gossen, Jevons und Heinrich von Thünen, als entscheidend angenommen in „der. Ausbildung der N OT theorie: Sie beruht auf der Voraussetzung, daß auf unserer Kulturstufe” die Dringlichkeit des Bedürfnisses in der Privatwirtschaft wie .in_ der Volks-. wirtschaft für die Werthöhe bestimmend sei, Die Bedürfnisse stufen Sich nach dieser Auffassung in Ihrer Dringlichkeit.ab. Je.mehr. der. Vorrat ausreicht, auch die weniger dringlichen zu befriedigen, um. so_ geringer werden die Befriedigungsmittel ım Werte geSCHätZL.n nun Roh Bawerk wählt das Beispiel der Einzelwirtschaft eines Farmers, der seinen Erntevorrat außerordentlich hoch schätzt, wenn derselbe nur ausreicht, um die nötigsten Nahrungsbedürfnisse der Familie zu befriedigen. Alles Andere wird bei ihm im Vergleich zum Getreide bedeutungslos dastehen. Wenn dagegen in einem anderen Jahre die Ernte ausreicht, um nicht nur die Menschen zu ernähren, sondern auch in angemessener Weise den Viehstand zu erhalten, so wird das Getreide schon nicht in dem gleichen Werte stehen. Wenn er aber genügend geerntet hat, um außerdem Papageien zu füttern, die er zu seinem Vergnügen hält und zieht, so wird der ganze Vorrat nur nach dem Maßstabe dieses letzten Aufwandes geschätzt werden, d. h. außerardentlich gering, Dies trifft in isolierter Wirtschaft allerdings Zu. Es wird auch auf manche Verhältnisse in der Volkswirtschaft zu übertragen sein, vielleicht auf die Schätzung der Ernte eines ganzen Landes, und es ist unzweifelhaft ein Verdienst jener Schule, wieder die Aufmerksamkeit auf das bedeutsame Moment der Dringlichkeit des Bedürfnisses gelenkt zu haben. Wir können uns aber nicht davon überzeugen, daß diese Art des Urteilens überall in der Volkswirtschaft vorliegt, und daß die Dringlichkeit das allein bestimmende Motiv ist. Unter unseren tatsächlichen volkswirtschaftlichen Verhältnissen greift vielfach unzweifelhaft die Berücksichtigung der Herstellungskosten bestimmend ein. Die Fabrikanten, welche beobachten, daß mehr Ware produziert ist, als untergebracht werden kann, halten darum noch nicht den ganzen Vorrat für entwertet, sie bringen nur so viel auf den Markt, als zu einem angemessenen Preise Absatz finden kann, und vernichten nur den kleinen Rest, der allein entwertet ist, während nach der Grenznutzentheorie bei eingetretenem Ueberfluß der ganze Vorrat wertlos sein soll. Wiederholt ist es dagewesen, daß in überreichen Ernten ein Teil des Getreides dem Mäusefraß und sonst dem Verderben verfiel, noch niemals hat die Geschichte aber von einem Beispiel berichtet, daß in einer Volkswirtschaft das Getreide keinen Preis hatte. Sehr häufig werden größere Auflagen von Büchern geiruckt, als Absatz finden können, dadurch ist aber noch niemals die ganze Auflage wertlos geworden. In der Volkswirtschaft vollziehen sich die Verhältnisse nicht so einfach wie in der isolierten Wirtschaft, Die Reibungen im praktischen Leben bringen durchgreifende Verschiebungen hervor. Man hat ferner nur bei wenigen Gegenständen gleiche Qualität, _ Wo diese aber “ungleich ist, vermindert sich die Wirkung der Quantität, Ebenso führen auftauchende Surrogate wesentliche Wertverschicbungen herbei, Conrad, Grundriß der polit. Oekonomie. 1. Teil. 8. Aufl. Die Grenz-1ıutzentheorie.