Abschnitt Die Lehre von der Produktion. Kapitel I. Die Grundlaze der Produktion. 8 9. Das Bedürfnis als Ursache der volkswirtschaftlichen Tätigkeit. B. Gurewitsch, Die Entwicklung der menschlichen Bedürfnisse und die soziale iederung der Gesellschaft. Leipzig 1901. Brentano, Versuch einer Theorie der Bedürfnisse. München 1908, Bedürfnis als Das Bedürfnis ist, wie wir sahen, die treibende Kraft in der Volks- eft° wirtschaft, auch die Tiere haben ihre Bedürfnisse, doch kann man bei ihnen nicht von Volkswirtschaft sprechen. Der Hamster ist allerdings vorsorglich und sammelt einen Wintervorrat ein; ja, er ist vielleicht vorsorglicher als der Neger. Der Biber richtet sich eine Wohnung künstlich her. Wir finden bei Bienen und Ameisen Arbeitsteilung und Organisation der gesamten Tätigkeit. Man kann deshalb wohl von Wirtschaft bei ihnen sprechen, doch bleibt es isolierte Wirtschaft, wenn auch mitunter in großem Maßstabe, aber das Tier kann niemals darüber hinausgelangen. Der Mensch unterscheidet sich prinzipiell von dem Tiere dadurch, daß HT Or N Wesen seine eigenen Anlage und Triebe Zu erkennen und Zu beurteilen vermag and zugleich die TO SENAT AL reibens- a bWgeN 200. messen. Kann, Vorausberechnend kann er seine Eigenschaften modi- zieren, seinen Trieben Schranken auferlegen und dadurch auf sein Dasein einen erheblichen Einfluß ausüben. Das Tier gibt sich rück- haltlos seinen Trieben hin; es besitzt nur ein geringes Anpassungs- vermögen an die Verhältnisse. Es nimmt die Gaben der Natur, wie sie sind, und geht zugrunde, wenn es sie nicht zu assimilieren vermag. Der Mensch ist imstande, nicht nur, was die Natur gewährt, um- zugestalten, um es sich nutzbar zu machen, sondern, und das ist für ans hier von besonderer Wichtigkeit, auch seine Bedürfnisse zu modi- fizieren und den Verhältnissen anzupassen. Jenes allgemeine Agens, die menschlichen Bedürfnisse, ist nichts unabänderlich Feststehendes, sondern fortdauernden Modifikationen unterworfen, Die menschlichen Bedürfnisse stehen im Flusse der Geschichte. Die GeSchichte der Be- ürfnisse gibt uns zugleich die Geschichte der Volkswirtschaft, denn