12 Geld und Kapital. der unmittelbar zum Verbrauche bestimmt ist. Der Vorteil, der darin liegt, daß die Definition sich dem Sprachgebrauche anschließt, ist un- verkennbar. Als Kapitalist wird derjenige bezeichnet, der aus einem größeren Vermögen ohne eigene Arbeit genügendes Einkommen bezieht, um davon zu leben, und sein werbend angelegtes Vermögen, in Geld ausgedrückt, ist sein Kapital. Das ist die privatwirtschaftliche Auf- fassung. Es scheint uns aber eine große Gefahr mit dieser Definition verbunden zu sein, eine Vermengung von Geld und Kapital herbei- zuführen, während gerade diese Scheidung dem Anfänger besondere Schwierigkeit macht, und die Verwirrung im Publikum allgemein eine bedenkliche Rolle spielt. Außerdem fällt hiernach der Begriff des Kapitals mit dem des Stammvermögens, wie erwähnt, völlig zusammen. Wir müssen uns aber noch den Unterschied zwischen Geld und Kapital vergegenwärtigen. Im gewöhnlichen Leben spricht man von dem Vermögen oder der Erbschaft einer Person nur, indem man den Wert in Geld ausdrückt, also etwa 100000 M. Die Summe ist indessen natürlich nicht in klingenden Münzen in der Hand des Betreffenden, sondern ev. in Form eines Hauses für 50000 M., für 10000 M. Eisenbahnaktien, für 10000 M. Aktien einer Spinnerei, für weitere 10000 M. eines Bergwerks, außerdem eine Hypothek und Staatsobligationen. So ist das Kapital des Be- treffenden in der mannigfaltigsten Weise wirtschaftlich angelegt, volks- wirtschaftlich wirksam und für ihn selbst nutzbar... Das Geld, in dem der Gesamtwert ausgedrückt ist, kommt selbst dabei gar nicht in Betracht, sondern nur das dahinter stehende Kapital in mannigfaltiester Form. $ 16. Die Arten des Kapitals. Betriebs- kapital. Man unterscheidet selbstverwendetes und Leihkapital. Das letztere wurde ursprünglich allein Kapital genannt und Kapitalist, wer ohne Arbeit sich aus seinem Vermögen durch Zinsgenuß Einkommen verschaffen kann. Das Kapital zerfällt auch in bewegliches und unbewegliches Kapital. das letztere umfaßt kultivierten Boden, Gebäude usw. In der Landwirtschaft spricht man von Grund- oder auch An- kaufskapital, gegenüber dem Betriebskapital Das erstere begreift den Grund und Boden, die Gebäude, das sog. eiserne In- ventarium in sich, welches die unentbehrlichen, zum Betriebe gehörigen Geräte und den Viehstand umfaßt; das letztere ist der Betrag, der zur Instandhaltung der Wirtschaft notwendig ist, wie zur Durchführung des laufenden Betriebes, zur Lohnzahlung und Beschaffung des Unter- haltes für Menschen und Vieh, Die österreichische Schule unterscheidet zwischen Kapitalien erster Ordnung, wozu sie Nutzgüter, wie Häuser, Kleider, sowie Genuß- güter, wie Nahrungsmittel, Brennmaterial usw. rechnet, die nur einmal gebraucht werden können, und Kapitalien zweiter und weiterer Ordnung, unter welchen Produktivgüter, wie Maschinen, Geräte u. del. ver- standen werden. Van der Borght (Jahrb. f. Nat.-Oek., 3. F, 24, 1903) hat neuer- dings die Scheidung von Produktionsanlagen und Werkzeugen vorge- schlagen, denen das Geldkapital gegenüber zu stellen sei. Roh- und