123 — Kosten bei dem Kreditgeschäfte vermieden werden müssen. Die Kreditierung wird daher nur stattfinden, wo dem Gläubiger die Person äes Schuldners genau bekannt ist, und dessen Verhältnisse genügend übersehen und kontrolliert werden können. Das ist vor allem bei dem kaufmännischen Verkehre der Fall, wo die Kreditierung auf einige Wochen oder Monate geschieht, fortdauernd Rückzahlungen erfolgen und nach kurzer Zeit ein neues Kreditgeschäft Platz greift. Wo die miteinander in Geschäftsverbindung stehenden Kaufleute ihre Verhältnisse genau gegenseitig zu übersehen vermögen, und ebenso die Banken die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden, die bei ihnen ein Kontokorrent haben, genau verfolgen können, genügt der Schuldschein in Wechselform, während der Realkredit viel zu zeitraubend, um- ständlich und kostspielig ist. Wer dagegen einem Grundbesitzer ein Darlehn auf 10 oder 20 Jahre oder gar unkündbar überläßt, wie es ron unseren landwirtschaftlichen Kreditanstalten geschieht, dem ge- aügt die persönliche Garantie des Schuldners nicht, dessen Zahlungs- fähigkeit durch Krankheit oder durch den Tod aufgehoben werden kann. Hier muß zu der persönlichen eine sachliche Sicherheit hinzu- zefügt werden, wie es durch die Verpfändung des Grundstücks ge- schieht. Da es sich hier um ein Darlehn auf längere Zeıt handelt, kann auch die Eintragung der Hypothek kein Bedenken erregen, auch wenn sie Monate in Anspruch nimmt und nicht unbedeutende Kosten verursacht. die sich nun anf Dezennien verteilen. 8 39. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Kredits. 1. Der Kredit liefert für Zahlungen in größeren Summen und an a entferntere Plätze in Noten, Schecks, Wechseln ein weit vollkommeneres im Tokalen Zahlungsmittel als die klingende Münze und erspart dadurch im Ver- Verkehr. kehre Zeit, Unkosten und Arbeit. Diese Vorteile treten bereits im Binnenverkehre zutage, wo für größere Summen, wie sie heutigen Tages fortdauernd vorkommen, von Hunderttausenden bei einem Guts- oder Hauskauf, bei dem Umsatz des Fabrikanten und der Kaufleute die Barzahlungen große Schwierigkeiten, langwierige Arbeit des Auszahlens und erhebliche Kosten des Transports verursachen würden. Dies trat auch besonders zutage bei der Milliardenzahlung Frankreichs an Deutschland, wo nur ein kleiner Teil, gegen 600 Millionen, in klin- yender Münze (273 Mill. Frks. in französ. Gold, 239 Mill. Frks. in französ. Silber, 105 Millionen in deutschen Münzen und Noten, die zum großen Teil während der Okkupation von dem Militär auf fran- zösischem Boden ausgegeben waren) entrichtet wurde, die Zahlung mehrere Wochen in Anspruch nahm, und ein Extrazug nötig war, um die Summe von Straßburg nach Spandau zu befördern. 125 Mill. wurden in französischen Noten gezahlt, 700 Mill. von einem Konsor- tium von 55 Bankiers aufgebracht und durch Anweisungen auf Banken oeglichen, 1774 Mill. sind in Wechseln gezahlt, welche die französische Regierung im In- und Auslande angekauft hatte, 1773 Mill Frks, durch französische Staatsobligationen gedeckt, der Rest von 325 Mill. kam auf die Elsaß-Lothringische Eisenbahn in Anrechnung. Die ganze Summe bar zu entrichten, würde mindestens ein Dezennium in Anspruch genommen haben und wäre auch dann ohne die aller- yrößten Verkehrsstörungen nicht durchzuführen gewesen, während sie