169 — und Wipperzeit der Mißbrauch der Staatsgewalt bei der Ausübung des Münzrechts hinzu. Es wurden nämlich unterwertige Münzen ausgeprägt, welche nach einiger Zeit wieder in Verruf erklärt und zu ihrem Metallwerte eingezogen wurden, um durch neue unterwertige Münzen zu einem hohen Kurse ersetzt zu werden. Je größer die Finanznot des Fürsten war, um so öfter geschah die Verrufserklärung, mitunter schon nach einem Jahre, so daß Zahlungsstockungen unver- meidlich wurden, weil Niemand dem Werte der ausgegebenen Münze traute und Niemand wußte, wie lange die Münze den gesetzlichen Wert, zu dem sie ausgegeben war, behalten würde. Dabei war ein ausgedehnter Handel, namentlich internationaler Natur nicht möglich, und deshalb wurde durch die Banken ein neutraler Boden geschaffen, auf dem die Zahlung auf einer gleichen, dauernden Grundlage, un- abhängig von der kursierenden Münze durchgeführt werden konnte. Die Girobank in Hamburg akzeptierte deshalb für ihre Girogeschäfte eine ideale Werteinheit, die „Mark Banko“, zu einem Drittel eines vollwichtigen Reichstalers; und auch als später der Münzfuß des Reichstalers verschlechtert wurde, behielt man die ursprüngliche Mark mit einem angenommenen Silbergehalt von 81 g Feinsilber bei. Sie wurde nie ausgeprägt, sondern blieb eine Rechnungsmünze. Als Depositen in der Bank wurden nur Silber in Barren oder später auch Münzen, aber nur nach dem Silbergehalt, akzeptiert. Auch das Pfund Sterling, wonach die englische Bank rechnete, war bekanntlich nicht eine geprägte Münze, sondern ein bestimmtes Gewicht von Edel- metall, je nach der akzeptierten Währung: Gold oder Silber. Auf Grund dieser Einrichtung vollzogen sich die größeren Zahlungen nur auf dem Wege des Kredits durch Anweisung auf das Guthaben bei der Bank, und diese Erleichterung führte dazu, daß eine Menge Zahlungen in anderen Gegenden und von fernstehenden Kaufleuten üurch Anweisung auf die Bankbürger stattfanden, die untereinander die Abrechnung auf dem Wege des Girierens bewirkten, so daß die Banken bald eine Bedeutung erlangten, die weit üher den lokalen Markt hinausgine. 8 50. Die Entwicklung der Banktätigkeit und das Girogeschäft. Rauchberg, Der Clearing- und Giroverkehr in Oesterreich-Ungarn und im Aus- lande. Wien 1897 Die Entwicklung der Banktätigkeit aus diesen einfachen Anfängen Entwicklung d der Girobank vollzog sich nun, kurz dargestellt, in der Weise, daß Bankeeschäfte man._den Geschäftsverkehr nicht auf die Bankbürger beschränkte, sondern auch auf das übrige Publikum ausdehnte, indem auch von ihm Einlagen in Geld’ aufgenommen wurden, wodurch sich das Depo- sitengeschäft entwickelte und die Banken sich zu allgemeineren Sparkassen erweiterten. Der zweite Schritt ging.dahin, die aufge- sammelten Gelder nicht tot in‘ den Kellern der Bank liegen zu lassen, sondern wieder in den Verkehr zu bringen, und zwar durch Be- nutzung zur Gewährung von Darlehen. Man sagte sich, daß die Depositen nicht alle auf einmal zurückgefordert werden und daß, wenn die Schuldner sicher und die Darlehen nur auf kurze Zeit ge- währt sind, die Schuldverschreibungen, das sind die von den Schuldnern