215 — Die obigen Zahlen zeigen die außerordentlichen Schwankungen, welche das Agio in den verschiedenen Ländern mit Papierwährung von einem Jahre zum anderen, wie auch innerhalb desselben Jahres aufgewiesen hat. In Kriegszeiten, wo der Kredit des Staates gefährdet ist, sind sie leicht erklärlich. Während des nordamerikanischen Bürgerkrieges betrug das Agio im Juli 1861 noch 6%, 1862 18 Us 1865 66 "/, "/o, im Juli 1864 gar 157%, August 1865 44°, um dann langsam aber stetig zu sinken, bis die Barzahlung wieder aufgenommen und der Umlauf der Greenbacks ausreichend reduziert war. Die Zahl der mit Zwangskurs in Umlauf befindlichen Noten allein ist nicht ausschlaggebend. Bei gutem Kredit des Staates und starker Entwicklung des Verkehrs kann sie, ohne daß die Noten im Werte gedrückt werden, eine erhebliche Erhöhung erfahren, während in Zeiten wirtschaftlicher Depression das Apgio steigt, auch wenn sonstige Veränderungen nicht stattgefunden haben. Ende des Jahres 1866 waren in Italien nur 250 Mill. L. Papiergeld ausgegeben, das Agio war sehr hoch, 1869 betrug die Summe 278 Mill. und der Notenkurs war gleichwohl sehr herabgegangen. Der Umlauf betrug in den foldenden Jahren: 1870 445, 1871 629, 1872 740, 1874 880, 1881 940 Mill. L. Der Kurs war bis 1877 allerdings gestiegen, dann aber trotz weiterer Erhöhung der Ziffer gesunken. In Rußland waren 1852 308 Mill. Rubel Papiergeld ausgegeben, 1857 714 Mill, 1858 690, während der Wechselkurs auf London (nach Ad. Wagner) in dem ersten ‚Jahre 38,2, im zweiten 37,2, im dritten 35,9 war. Dann blieb die Summe bis 1866 so ziemlich gleich, um im folgenden Dezennium bis 1876 auf 790 Mill. zu steigen, 1870—71 erhob sie sich auf 1040 und 1188 Mill, sank bis 1884 auf 1045 Mill, worauf sie längere Zeit unverändert blieb. Im Jahre 1879, wo die Münz- und Währungsreform aufgenommen wurde, waren noch 1068 Mill. R. in Noten im Umlauf. Der Wechselkurs ermäßigte sich 1877 auf 25,8 und blieb bis 1885 24,1. Wir sehen den Kurs dann 1888 erheblich sinken, obwohl die Notenmenge nicht verändert war, um dann wieder bis 1893 anzuwachsen und seitdem das Niveau zu bewahren. Am 16. Nov. 1914 waren 100 Rubel in Deutschland noch für 197 M., 100 Fres, französische Noten für 89 M, infolge der Nachfrage nach denselben für unsere Soldaten auf feindlichem Boden zu haben. Da die Börse geschlossen war, so handelt es sich um private Umsätze bei einer größeren Bank. In Oesterreich erreichte der Notenumlauf 1866 die Höhe von einer halben Milliarde, stieg 1873 auf 703 Mill, ging 1879 auf 630 Mill. herab, hatte 1891 834, 1898 856 Mill. betragen. Ende 1896 war er auf 798,2 Mill. vorübergehend zurückgegangen, ohne darum eine Kursveränderung herbeizuführen. Die Zunahme der Bevölkerung wie des ganzen Verkehrs verhinderte ein entsprechendes Sinken des Kurses. Die Anpassung der Verwendung an den Vorrat ist aber wie ersichtlich eine große. Nicht jede Verminderung oder Vermehrung des umlaufenden Quantums übt einen Einfluß auf den Kurs aus. Am 16. Nov. 1914 war der Kurs nur auf 78,50 gesunken.