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        <title>Nationalökonomie</title>
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      <div>Soziolozie. 
größert, so hat er sich doch kaum prinzipiell verändert. Besonders 
aber ist eine Abgrenzung des Weltverkehrs von der Volkswirtschaft 
antunlich; er bleibt stets ein Teil des letzteren und kann nicht 
isoliert erörtert werden, daher auch nicht zu einer selbständigen Be- 
handlung in einer besonderen Wissenschaft führen. 
Ferner ist als Gegenstück zur Weltwirtschaftslehre die Ausbildung 
einer Privafwirtschaftslehre. gefordert (Weyermann-Schönitz, 
Wissenschaftliche Privatwirtschaftslehre, Karlsruhe 1912), und zwar als 
Teildisziplin der Nationalökonomie, Es sollen darin die wirtschaftlichen 
Vorgänge vom Standpunkt des Wirtschaftenden und seines Interesses 
untersucht werden. Eine Geschichte privatwirtschaftlicher Tätigkeit, 
wie sie übrigens auch schon vielfach, wenn auch nur vereinzelt und 
nicht systematisch zusammengefaßt geboten ist, wird unzweifelhaft 
der Volkswirtschaftslehre ein sehr wesentliches, ergänzendes Material 
liefern können und ist in hohem Maße beachtenswert. Auch eine 
rein theoretische Behandlung kann ersprießlich sein und ist in der 
{andwirtschaftlichen Betriebslehre, in der Handelslehre bereits in An- 
griff genommen. Ob sie aber zu einer abgegrenzten, systematischen 
Disziplin auszugestalten ist, dürfte zweifelhaft sein. Jedenfalls war 
ss ein Fortschritt, als Rau die politische Oekonomie sowohl von 
der technischen wie von der privatwirtschaftlichen, die von den alten 
Kameralisten zusammengefaßt waren, trennte und sie isoliert behandelte. 
Die Bestrebungen schließlich, neben der Nationalökonomie eine 
yjgesondere Wissenschaft der Gesellschaftslehre,Sozialwissen- 
schaft oder Soziologie?) auszubilden, sind bisher ohne Erfolg ge- 
lieben, Der Versuch ist hauptsächlich auf Aug. Comte und Herbert 
Spencer zurückzuführen, um eine Wissenschaft vom Menschen. in.der 
Gesellschaft, resp. von dem Verhältnis zwischen Individuum und Ge- 
SENSChaft zu Schaffen. Schäffle stellte auf Grund einer Analogie 
mit den Naturwissenschaften eine Lehre vom „sozialen Körper“ auf. 
Die Vergleichung des menschlichen Gesellschaftslebens mit ähnlichen 
Vorgängen in der Natur hat nur sehr bedingten Wert und artet leicht 
zur Spielerei aus. Fördernd und bedeutsam ist sicher die Verfolgung 
der Entwicklung des Menschen, seines gesellschaftlichen Zusammen- 
lebens und seiner wirtschaftlichen Tätigkeit vom primitiven Zustande 
bis zu unserer Kulturstufe. Hier die Regelmäßigkeiten zu verfolgen 
and die Ursachen der Erscheinungen festzustellen, wie es sich die 
Völkerpsychologie zur Aufgabe macht, ist auch für die politische 
Oekonomie eine wünschenswerte, ja notwendige Ergänzung. Ebenso 
wird die naturwissenschaftliche und psychologische Untersuchung der 
menschlichen Natur auch unsere Wissenschaft wesentlich zu befruchten 
vermögen. Je mehr anerkannt und berücksichtigt wird, daß in dem 
wirtschaftlichen Leben die ethischen Motive eine große Rolle spielen, 
Wirtschaft nicht von Staat und Gesellschaft zu trennen ist, und z. B. 
die soziale Frage in der politischen Oekonomie stets eine eingehende 
Behandlung findet, um so weniger liegt ein Grund vor, noch neben 
derselben eine besondere Gesellschaftslehre zu konstruieren. 
1) Paul Barth;-Die Philosophie der Geschichte als Soziologie, I. T. Leipzig 
1897, L.F.-Ward; Soziologie von heute. Innsbruck 1904, ®F. Tönnies, Ent- 
wicklung der Soziologie in Deutschland im 19, Jahrhundert (in „Die Entwicklung 
der deutschen Volkswirtschaftslehre im 19, Jahrh.“, Bd. I). Leipzig 1908. Simmel, 
a Leipzig 1908, Gustav F. Steffen, Die Grundlage der Sociologie, 
Jena 1912. a. )</div>
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