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4. Aber es ist noch ein vierter Faktor zu berücksichtigen, das ist
das Opfer. der Reschaffung,des Gutes, Die Arbeit, den Gegen-
stand herzustellen, -die-Mühe;-ihn-aus-einem entfernten Orte herbeizu-
schaffen oder ihn überhaupt ausfindig zu machen, mit anderen Worten,
die Herstellungs- oder Beschaffungs- (auch Reproduktions-)kosten be-
sinflussen unser Urteil in hohem Maße. Handelt es sich um Gegenstände,
lie in beliebiger Menge leicht neu hergestellt werden können und tatsäch-
lich in der Volkswirtschaft stets ausreichend geliefert werden, so kann es
keinem Zweifel unterliegen, daß der Wert bestimmt wird durch die Her-
stellungskosten im weiteren Sinne des Wortes. Die Lieferung hört eben
auf, wenn nicht soviel als Aequivalent dafür erlangt werden kann, als
zur Entschädigung für die aufgewendete Arbeit notwendig ist. Für die
übrigen Gegenstände, die nicht immer in ausreichendem Maße zu be-
schaffen sind, werden die Herstellungskosten dagegen nur die unterste
arenze bilden, unter welche dauernd die Wertschätzung nicht sinken
kann, während darüber hinaus ein weiter Spielraum bleibt, wie wir
bei Untersuchung der Preisregulierungs päter ausführlicher darzulegen
haben werden.

S 7.
Vergleichung der verschiedenen Begriffsdefinitionen
des Wertes.
K. Diehl, Die Entwicklung der Wert- und Preistheorie im 19, Jahrh. (in
Entw. der deutsch. Wirtschaftslehre). Leipzig 1908.

Rost, Die Wert- und Preistheorien mit Berücksichtigung ihrer dogmengeschicht-
lichen Entwicklung. Leipzig 1908,

Curgot.

Die Verschiedenheit der Wertdefinitionen, welche noch gegenwärtig
in unserer Wissenschaft vorhanden ist, scheint uns hauptsächlich darauf
zurückzuführen zu sein, daß bald der eine, bald der andere der bisher be-
trachteten Wertfaktoren überwiegend oder auch ausschließlich als maß-
zebend für die allgemeine Wertbestimmung angenommen wird, während
stets sämtliche zusammen wirken, nur daß in dem einen Falle der eine,
in dem anderen Falle ein anderer in höherem Maße ausschlaggebend ist,

Von Turgot wurde der Tauglichkeit des Gegenstandes der ent-
scheidende Einfluß beigelegt, und wir sahen, daß dieses in vielen
Fällen auch durchaus zutreffend ist. Inama-Sternegg hat nachzu-
weisen gesucht, daß im Mittelalter unter normalen Verhältnissen die
Wertschätzung durch die Nutzbarkeit der Gegenstände bestimmt wurde,
also wie sie einem vorliegenden Bedürfnis unmittelbar als Nahrungs-
mittel, Schmuck, Waffe usw. zu dienen vermochten. Das ist unzweifel-
haft in großer Ausdehnung noch jetzt bei den primitiven Völkerschaften
der Fall, wo z. B. in den Tropen bei den Negerstämmen viel über-
schüssige Arbeitskraft vorhanden ist, die aufgewendete Arbeit nicht
hoch veranschlagt wird und daher kein bedeutsames Moment bei der
Wertschätzung ausmacht. Je mehr auf höherer Stufe der Kultur die
gebrauchten Gegenstände allgemein viel Arbeit erfordern, und die
meisten Menschen von ihrer Arbeit leben, muß dieser Faktor mehr in
äen Vordergrund treten. Solange noch freie Güter in großer Menge
vorhanden sind, aus denen der größte Teil des Bedarfs gedeckt werden
kann, wird die Laune des Nachfragenden mehr in Betracht kommen,
als in einer Zeit, wo die Welt fortgegeben ist und ein übergroßer