Arbeit als
alleiniger
Wertfaktor.

Jarev.

Bastiat.

L

$

Adam Smith bestimmte den Wert eines Gegenstandes nach der
Arbeit, dıe man damit einkaufen kann, aber auch nach der Arbeit,
Jie zur Herstellung erforderlich war. Dies führte sein Schüler David
Ricardo eingehender aus, der überall dort die Herstellungskosten
für den Wert bestimmend ansah, wo der Gegenstand in ausreichender
Fülle vorhanden ist und der gesteigerte Bedarf leicht gedeckt werden
kann, während bei beschränktem Vorrat und erschwerter Ergänzung
der Einfluß des Seltenheitsmomentes als über die Kosten hinaus wert-
steigernd durchaus von ihm anerkannt wurde. Da er aber annahm, daß
in bei weitem überwiegender Weise in der Volkswirtschaft der erstere
Fall, der zweite nur ausnahmsweise vorkomme, so berücksichtigte er bei
den allgemeinen Betrachtungen nur den ersten, nicht den zweiten.
Hierauf stützten sich besonders Karl Marx und seine Schule, welche
das Seltenheitsmoment ganz beiseite Schoben und nur die durchschnitt-
lich (nicht in dem einzelnen Falle, sondern die gesellschaftlich) zur
Herstellung notwendige Arbeit als den Wert bestimmend ansahen, wie
sie zugleich die menschliche..Arbeitskraft als alleinigen. Werterzeuger
hinstellten. Hiernach kennt die sozialistische Schule nur den Kosten-
wert und versteht unter Kosten nicht Geld, sondern Arbeit.

“” Schon der Amerikaner Carey trat den Ausführungen Ricardos
entgegen, indem er sagte: Nicht die zur Produktion, sondern zur Re-
produktion nötige Arbeit bestimmt den Wert. Wieviel Arbeit auf-
gewendet ist, um den Gegenstand anzufertigen, bleibt gleichgültig;
wenn man durch einen Fortschritt, z. B. eine Erfindung, in den Stand
gesetzt wird, sich den Gegenstand mit viel weniger Arbeit neu herzu-
stellen, so wird man für ihn nicht mehr geben, als die Neuherstellung
erfordert. _Jeder industrielle Fortschritt führt daher unter sonst
gleichen Verhältnissen _zu einer Verminderung des Wertes der be-
treffenden Gegenstände. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Auf-
fassung richtig ist, doch wird sie nur für solche Verhältnisse eine
wesentliche Bedeutung haben, wo der Fortschritt und die Ermäßigung
der Herstellungskosten schnell vor sich gehen, während das Ergebnis
in den meisten Fällen mit der Ricardoschen Definition zusammen-
fallen wird.

Der Careyschen Auffassung sehr nahe liegt die von Frederic
Bastiat, der den Wert bemißt nach dem durch das Gut ersparten
Dienste. Hat ein Fuhrmann, sagt er, in einem Fasse Trinkwasser
nach der Stadt gefahren, so wird das Wasser nicht nach den Kosten
bewertet, welche dem Fuhrmann daraus entsprangen, sondern der Wert
des Wassers wird in der Stadt so hoch geschätzt werden, und der
Fuhrmann wird den Preis des Wassers so weit über seine eigenen
Kosten zu steigern vermögen, als die Städter ihre Mühe veranschlagen,
um sich das Wasser selbst zu holen, was im allgemeinen höher sein
wird als die Mühe des Fuhrmanns. Auch diese Art der Schätzung
kommt in der Volkswirtschaft gewiß häufig vor, und die Darlegung
trägt zur Erläuterung des volkswirtschaftlichen Vorganges wesentlich
bei, unrichtig ist es aber sicher, überall diese eine Form der Schätzung
als maßgebend anzunehmen. Auch hier kommt die Seltenheit des
Gutes nicht zur Geltung, so wenig wie bei Marx, Nicht nur bei Edel-
steinen, Kunstwerken usw. ist sie als entscheidend anzusehen, sondern
vor allem bei dem Grund und Boden, besonders in den Städten, wo
ein Bauplatz, auf den noch gar keine Arbeit verwendet ist, doch tat-
sächlich bei starker Bevölkerung einen hohen Wert haben kann. Da