wir es hier aber zunächst allein mit der Klärung der volkswirtschaft-
lichen Tatsachen zu tun haben, so ist die Ricardo-Marxsche Auf-
fassung schon auf Grund dieser Tatsachen als falsch zu bezeichnen.
Wenn in der Landwirtschaft zwei Pferde mit denselben Kosten auf-
gezogen sind, so können sie doch. bei verschiedener Körperbeschaffen-
heit .ganz ‚verschiedenen Wert haben. Ein Wechsel der Mode bringt
Wertveränderungen hervor, ohne daß die Produktionskosten sich ver-
ändert zu haben brauchen. In der Volkswirtschaft ist auf der anderen
Seite nur bei verhältnismäßig wenig Gütern die Neubeschaffung in
jedem Augenblicke leicht durchführbar. Vielmehr haben wir es ganz
allgemein mit Seltenheitsmomenten zu tun. Kohle, Kupfer, Eisen, Ge-
treide schwanken im Preise von einem Jahre zum anderen, auch wenn
die Herstellungskosten dieselben geblieben waren. Jeder Produzent, der
sich einen besonderen Ruf in einem weiten Kundenkreise erworben
hat, — sei es durch die absolute Zuverlässigkeit in seinen Lieferungen,
z. B. ein Handelsgärtner, weil er nur keimfähigen Samen liefert,
oder indem sich das Fabrikat durch besondere Güte auszeichnet, z. B.
Nähmaschinen, Fahrräder in bestimmten Maschinenbauanstalten, — ist
in der Lage, höhere Preise für seine Ware zu nehmen, als seine Kon-
kurrenten, höhere, als seinen Produktionskosten entspricht. Seine Waren
erlangen einen Seltenheitswert. Auch der Kaufmann, der ein besonderes
Vertrauen bei seinen Kunden besitzt, kann aus dem gleichen Grunde
einen höheren Aufschlag machen, als die benachbarten Geschäfte. Die
Wertschätzung seiner Ware erweist sich bei den Kunden höher als
derjenigen seiner Konkurrenten.

Bei der hohen Bedeutung, welche man eine lange Zeit der Marx-
schen Werttheorie,beilegte, müssen wir auf diese noch besonders ein-
gehen.

Karl Marx (a davon aus, daß, wenn im volkswirtschaftlichen
Tauschverkehre zwei Gegenstände dem Werte nach gleich geschätzt
werden, notwendig eine gemeinsame Grundlage vorhanden sein müsse.
Die Nutzbarkeit des Gegenstandes erweise sich nun nicht als gleichartig,
da das subjektive Ermessen der Schätzenden außerordentlich verschieden
sei. Auch wir haben diese Ungleichartigkeit ausdrücklich anerkannt und.
darzulegen gesucht. „An nimmt als die überall gemeinsame Grund-
lage, sich an Ricardo anlehnend, das Quantum gesellschaftlich nat,
wendiger Arbeitszeit an, welches die Herstellung Te Wen unter den
Vörkandenen, gesellschaftlich normalen Produktionsbedingungen und bei
dem durchschnittlichen Grade von Geschick und Intensität der Arbeit
erfordert. Er meint; dorf einen objektiven, festen Maßstab gewonnen
Zu haben. Das ist indessen durchaus nicht zuzugeben. Er selbst er-
kennt an, daß zwischen Arbeit und Arbeit ein sehr bedeutender Unter-
schied ist, er hilft sich aber über die Schwierigkeit dadurch hinfort, daß
er qualifizierte Arbeit eines Künstlers auf einfache Arbeit reduzieren
will, wodurch er dem subjektiven Ermessen des Schätzenden wiederum
verfallen ist. In jeder höhere Arbeit, die nicht mechanische Nachbildung
ist, liegt schöpferische-Selbsttätigkeit, die sich prinzipiell von einfacher
physischer Arbeit unterscheidet. und’ daher‘ nicht durch‘ sie” gemessen
werden kann. Um die zur Herstellung einer Statue, eines Romans, eines
wissenschaftlichen Werkes notwendige gesellschaftliche Arbeitszeit fest-
zustellen, fehlt ein jeder Anhalt, ebenso wie zur Herstellung einer
neuerfundenen Maschine, eines neuen Färbemittels usw. Nur wenn man
die Bedeutung der Leistung des Unternehmers, eines Ingenieurs ignoriert,

Marx.