DE

Gewerhe.

Physio-
kratische
\nschauung.

Daß jene drei Faktoren zusammen wirken müssen, um Werte zu
erzeugen, daß der Mensch isoliert nichts zu schaffen vermag, sondern
nur, wenn ihm Gaben der Natur zur Verfügung stehen, und er sie mit
Geräten oder Maschinen verwerten kann, leugnet natürlich auch Rod-
bertusnicht. Aber diese werden von ihm nur als Hilfsmittel zur Unter-
stützung der menschlichen Hand angesehen, die sie verschieden benutzt,
und das den Wert Schaffende ist nach ihm nur die menschliche Arbeit.
Um dem entgegenzutreten, betonten wir oben ausdrücklich, daß in ver-
einzelten Fällen die Natur selbständig, ohne Zutun des Menschen, Werte
hervorzubringen vermag, wenn auch zur Benutzung derselben ‘Menschen
natürlich hinzutreten müssen. Aber auch aus anderen Vorgängen ist
diese selbständige Schaffenskraft der Natur wie des Kapitals leicht
ersichtlich. Niemand leugnet, daß derselbe Arbeitsaufwand auf ver-
schiedenen Bodenarten in der Landwirtschaft sehr verschiedenen Ernte-
ertrag zu erzielen vermag. Wir schreiben den Mehrertrag des guten
Bodens diesem zu, Rodbertus dagegen allein der Arbeit, die nur durch
humosen Lehm fruchtbringender geworden sei. Der Schneider, der mit
Hilfe einer Nähmaschine das Doppelte an Näharbeit fertig bringt als
bisher ohne diese, schreibt vielleicht das Verdienst sich selbst zu, wie
Rodbertus es ihm allein vindiziert, während es wohl richtiger ist, an-
zuerkennen, daß die Mehrleistung der Maschine zu verdanken ist, wenn
auch die Tätigkeit des Schneiders eine andere geworden ist. Man
wird dadurch den Einfluß des Kapitals in der Volkswirtschaft richtiger
zur Darstellung bringen und sich von extremer einseitiger Ueber-
schätzung der Arbeit ferne halten, der die beiden erwähnten Autoren
verfallen sind. Daß aber der Arbeitsaufwand allein nicht, wie jene
behaupten, den Wert in unserer Volkswirtschaft bestimmt, suchten
wir oben in $ 6 nachzuweisen. Daß ferner das Kapital mehr Werte
erzeugt, als es bei der Produktion einbüßt, wird später bei Erörterung
des Kapitalzinses nachzuweisen sein.

Die Produktion tritt bekanntlich in drei Gewerbskategorien auf:
L. den Gewerben der Rohproduktion (Land-, Forstwirtschaft und Berg-
bau); 2. den stoffyeredelnden Gewerben (Handwerk und Fabrikbetrieb,
d, 1. industrieller Tätigkeit); 3. den Gewerben des Handels und Ver-
_kehrs, _ Alle drei stehen auf dem gleichen Boden und haben dieselbe
Aufgabe der Werterzeugung. Es besteht zwischen ihnen wirtschaftlich
kein prinzipieller Unterschied, wie er in früheren Zeiten angenommen
wurde, Auch der Handel übernimmt einen Teil der Produktion, er ist
ihr nicht gegenüberzustellen, wie man das früher getan hat, sondern er
ist als die Fortsetzung der produktiven Tätigkeit der Landwirtschaft
und der Industrie anzusehen.

Die Physiokraten in der Mitte des 18. Jahrhunderts nahmen an,
laß nur die Landwirtschaft den Volkswohlstand zu erhöhen vermöge.
Sie erkannten wohl, daß auch das Handwerk Werte erzeuge, aber sie
meinten, daß es nur soviel Werterhöhung bewirke, als bei der Arbeit
an Rohmaterial, menschlicher Nahrung usw. verbraucht werde, während
in der Landwirtschaft die Natur in besonderer Weise Werte schaffe
und einen Ueberschuß über die bei der Produktion verbrauchten Werte
liefere. Ein solcher Unterschied existiert tatsächlich nicht. Auch in
der Industrie sind überall die Naturkräfte mit tätig, gleichviel ob der
Schmied mit Hilfe des Kohlenfeuers das Eisen weich und bearbeitungs-
fähig macht, oder in der chemischen Industrie aus der Steinkohle
Anilinfarben hergestellt werden. und in den eroßen Fabriken die