In

Jas mensch-
‘iehe Urteil
Wert er-
zeugend.

und unproduktiv, Unberechtigte Preissteigerung wird ebenso mitunter
mit Recht dem Fleischer, wie dem Fabrikanten vorgeworfen. Es gibt
ebenso wie an Kaufleuten zeitweise einen Ueberfluß an Bäckern,
Schuhmachern, wie Bierbrauereien, Papierfabriken usw., deren Tätig-
keit in Zeiten der Ueberproduktion als unproduktiv bezeichnet werden
muß. Bei übermäßiger Bodenzersplitterung in reinen Agrargegenden,
wo die Arbeitskraft der Bevölkerung nicht genügende Verwendung
findet, ist ebenso ein Ueberfluß an Landwirten zu beklagen, wie bei
dem obigen Beispiel an Kolonialwarenhändlern. Wenn der Landwirt
eine verfehlte Melioration durchführt, wenn er eine falsche Fruchtfolge
einführt, eine den Verhältnissen nicht entsprechende Tierrasse hält und
8v. noch unrationell ernährt, so ist auch seine Tätigkeit eine unpro-
Juktive, welche den Volkswohlstand nicht hebt, sondern schädigt. Wie
aber deshalb nicht die ganze Landwirtschaft unproduktiv ist, so auch
nicht der ganze Handel.

Eine Werterhöhung kann aber, abgesehen von dem Handel, noch
lurch eine andere Aenderung des Verhältnisses zwischen dem urteilenden
Menschen und dem beurteilten Objekte stattfinden, das ist der Fall
lurch Erfindung und Entdeckung; ferner durch die Mode, z. B. Pelze in
len letzten Jahren. Allein durch die Kenntnis von neuen Eigenschaften
in den Gegenständen, durch welche sie für den Menschen eine beson-
dere Brauchbarkeit erhalten, gewinnen sie an Wert. Durch Erfindungen
sind Schlacken von früheren Erzschmelzen wertvolle Rückstände ge-
worden, deren Silber- und Kupfergehalt jetzt z. B. in Griechenland
ausgebeutet wird. Als. man in dem Harz der Gummibäume die eigen-
tümliche Elastizität entdeckte, die es jetzt in der Industrie so hoch
bedeutsam macht, erlangten jene Bäume plötzlich eine bisher nicht
geahnte wirtschaftliche Bedeutung. Durch die Feststellung der Dünge-
kraft der Phosphorite wurden Steinarten wertvoll, die man bis dahin
nicht beachtet hatte. In der Aenderung des menschlichen Urteils liegt
also gleichfalls eine prodüktive Kraft des Menschen,

8 12.
Das Wesen der Konsumtion.
Lewis, in Schönbergs Handbuch, 4. Aufl., Bd. I, 1, 8. 789,
Patten, The consumption of wealth. Philadelphia 1889.
Hasbach, Güterverzehrung und Güterhervorbringung. Jena 1906.
Wertver-
sichtung.

Der Wertentstehung steht die Wertvernichtung gegenüber, bei
welcher die gleichen Fälle vorkommen können, nur in umgekehrter
Weise. Die Natur selbst zerstört fortdauernd Werte durch den Tod,
z. B. der Pferde eines Fuhrmanns oder Landwirts, wie schon durch
Krankheit derselben. Ueberall sind Fäulniserreger vorhanden, um die
Zersetzung organischer Substanzen herbeizuführen, wodurch beständig
der Volkswirtschaft enorme Verluste bereitet werden. Auch die mine-
ralischen Substanzen sind der Zersetzung unterworfen. Selbst der
härteste Baustein verfällt dem Verwitterungsprozeß, und der Zahn der
Zeit vermindert fortdauernd den Wert der Bauwerke aller Art.

Die Veränderung des menschlichen Urteils spielt gleichfalls bei
der Wertvernichtung eine erhebliche Rolle. Die Veränderung der
Mode entwertet alljährlich bei jedem Wechsel der Saison Massen von
Kleidungsgegenständen aller Art, welche ihre sonstigen Eigenschaften