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nicht verloren haben. Nur allein weil das Muster, die Farbenzusammen-
stellung, die Form dem momentanen Geschmack nicht mehr entsprechen.
müssen die Gegenstände zu Schleuderpreisen abgegeben werden, wo:
durch oft nicht mehr die HMerstellungskosten gedeckt werden.

Der Produktion steht die Konsumtion gegenüber. Das ist Wert-
vernichtung durch den menschlichen Gebrauch, wofür die deutsche
Sprache den überaus bezeichnenden Ausdruck der Verwertung an-
wendet. Auch hier ist natürlich Stoffvernichtung ausgeschlossen, und
nur Wertverminderung durch Aenderung der Form, der Zusammen-
setzung usw. vorhanden. Wie bei der Produktion gewöhnlich Wert-
vernichtung stattfindet, so bei der Konsumtion sehr ausgedehnt Wert-
erzeugung. In dem ersteren Falle aber wird ein Ueberschuß an Werten
erzielt, in dem zweiten Falle liegt ein Defizit vor. Der Landwirt opfert
das Saatgut, um eine Ernte, das Futter, um tierische Nahrungsmittel
zu erzielen. Auch das Luxuspferd liefert Dünger. Bei dem Verbrauche
der Kleidungsstücke bleiben Lumpen für die Papierfabrikation zurück.
Die Knochen als Rückstände der Speisen werden sorgsam gesammelt,
um in verschiedenen Fabrikationszweigen Verwendung zu finden. Die
Korke der ausgetrunkenen Flaschen werden zu Linoleum verarbeitet usw.
Es ist ein wesentlicher Fortschritt unserer Zeit, daß man mit besonderer
Sorgfalt die Abfälle aller Art zu sammeln trachtet und sie in der
Volkswirtschaft nutzbar macht.

Nach dem Vorgange von Lexis hat man mit Recht in der neueren
Zeit die Unterscheidung zwischen der technischen Verwendung
im Produktionsprozesse, — Marshall spricht da von produktiver Kon-
zumtion —, und dem Verbrauch im Haushalt zur unmittelbaren Be-
friedigung der Lebensbedürfnisse gemacht und nur den letzteren als
Konsumtion im engeren Sinne oder persönlichen Konsum aufgefäaßt,
dem der Objektive gegenüberzustellen wäre. Der letztere würde auch
als der volkswirtschaftliche zu bezeichnen sein, während der privat-
wirtschaftliche sowohl den Verbrauch bei der Produktion wie den
persönlichen, hauswirtschaftlichen umfaßt.

Auf der primitiven Stufe der Kultur findet in jedem Haushalte
zugleich Produktion und Konsumtion statt, bei mehr ausgebildeter
Kultur, also in unserer Zeit, geht die Haushaltung wohl auch auf Er-
haltung der Verbrauchsgüter, aber hauptsächlich auf den Konsum hin,
d. h. auf die Verwertung der produzierten Güter zur privatwirtschaft-
lichen Befriedigung der Bedürfnisse.

Der persönliche Konsum ist nun als das Endziel jeder wirtschaft-

lichen Tätigkeit zu bezeichnen. Hier berühren sich Bedürfnis und
Konsumtion. Die Aufgabe ist, beide in möglichste Harmonie zu bringen.
Wir sahen nun bereits, wie veränderlich die Bedürfnisse sind die
damit der Produktion immer neue Aufgaben stellen. Auf der anderen
Seite wird der Konsum einmal beschränkt, dann wieder erweitert durch
Veränderung des Einkommens, worauf später näher einzugehen
sein wird.

_ Wie es bei der Produktion die Aufgabe ist, mit Aufwendung von
nöglichst wenig Arbeitskraft und geringer Wertvernichtung möglichst
viel Werte zu erzeugen, so ist es die Aufgabe der Konsumtion, mit
möglichst geringen Werten einen tunlichst hohen Nutzeffekt in der
Befriedigung menschlicher Bedürfnisse zu erreichen.

Konsumtion.