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daß aber, je höher die Kulturstufe ist, um so weiter sich auch der
Spielraum gestaltet und der Mensch sich um so unabhängiger von
ihnen sein Leben und seine Tätigkeit zu schaffen vermag.

$ 14.
Die menschliche Arbeitskraft.
Rodbertus, Zur Erkenntnis unserer staatswirtschaftlichen Zustände, 1842,

Th. Kozak, Rodbertus-Jagetzows sozialökon. Ansichten, Jena 1882, S. 28 usw.
Engel, Der Wert des Menschen. Berlin 1883.

Kohl, Die Völker Europas, 1867 u. 1878.

Löher, Land und Leute in der alten und der neuen Welt, 3 Bde., 1866.

Zur Benutzung dessen, was die Natur bietet, ist stets menschliche
Tätigkeit, d. h. Arbeit nötig. Je höher die Kultur steigt, um so mehr
Aufwand von Arbeit ist erforderlich, um die Gaben der Natur den
menschlichen Bedürfnissen anzupassen. Die Arten der menschlichen
Produktivkräfte sind: a) physische, b) intellektuelle, c) sittliche.
Physische Die physische Arbeitskraft. wird in einem Volke hestimmt” durch
Arbeitskraft. die Bevölkerungszahl, ganz besonders durch die Dichtigkeit des Zu-
samnremWöHNenNS, wie durch den Prozentsatz, welchen“tder“in produk-
tivem Alter stehende...Teil ‚derselben ausmacht.
“ "Die Altersstufen verteilen sich, wie folgt:
bis 15 15—60 über 60 Jahre
Deutschland 35,0 Proz, RR Proz, 7,7 Proz.
Frankreich“ 270 601” 9
Großbritannien 363 56,2 WA
Oesterreich 32,2 594 br
Italien 323 594 83
V, St. v. N.-Amerika 371.9 563 5,8
Die physische Leistungsfähigkeit ist bei den verschiedenen Völkern
schon hiernach ungleich. Frankreich wird bei gleicher Bevölkerungs-
zahl eine größere Arbeitskraft repräsentieren, als die anderen Länder,
sowohl für die Industrie, wie für das Heer, da im Alter von 15—60
Jahren in Frankreich 61,1 °%, in Deutschland nur 57,3 °% stehen.

Man wird, abgesehen von diesem Unterschied, wohl sagen dürfen,
daß die germanische Rasse an physischer Kraft der romanischen über-
legen ist,”vielleicht auch der slavischen. Unzweifelhaft ist das wenigstens
innerhalb des preußischen Staates der Fall.

Die physische Leistungsfähigkeit ist nun wesentlich bedingt durch
die körperliche Pfiege, Ausbildung und Ernährung. Gerade in dieser
Beziehung steht Deutschland hinter anderen Ländern nicht unbedeutend
zurück. Dies ergibt sich einmal aus der großen Kindersterblichkeit,
Jie für unsere Kulturstufe, trotz der in der neueren Zeit eingetretenen
Besserung, immer noch beklagenswert ist, wie auch aus der ver-
hältnismäßig geringen Zahl von Personen, die ein hohes Alter erreichen.
Jene ist zurückzuführen auf die Abneigung oder das Unvermögen der
Frauen, die Kinder selbst zu nähren, auf die große Unvernunft bei der
Behandlung der Kinder und die äußerst unrationelle Ernährung, die
noch allgemein verbreitet ist, auch wo die Wohlstandsverhältnisse und
die Volksbildung weit Besseres erwarten lassen sollten. Hat sich die
Fleischnahrung auch bei uns in den letzten Dezennien nicht unbe-
jeutend gehoben, so steht sie doch sehr erheblich hinter England und
Amerika zurück, und Leguminosen werden nicht genügend zur HEr-

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