3Q

Sittliche
Oigenschaften.

haben. Nach beiden Richtungen werden sicher die Frauen auch trotz
aller Gymnasialbildung, die man ihnen neuerdings oktroyieren will, nie-
mals eine hohe Produktivität erlangen, weil ihnen dazu die natürliche
Anlage und Grundlage fehlt.

Der Engländer hat ein besonderes organisatorisches Talent, mehr als
der Deutsche. Er weiß besser Hilfskräfte anzustellen und zu verwerten.

Romanen und Slaven fassen vielfach die Sachen persönlicher und
sind geneigt, Alles vom persönlichen Standpunkt zu behandeln. Der
Germane besitzt mehr Objektivität. Sein Streben ist mehr auf das
Allgemeine gerichtet. Er abstrahiert mehr von der Person und der
Gegenwart und ist daher auch mehr geneigt, sich utopischen Plänen
hinzugeben.

Die Südländer entwickeln sich schneller als die Nordländer, die
Kinder von jenen erscheinen daher meist geweckter und den letzeren
geistig überlegen. Auch die Negerkinder machen durchaus den Ein-
druck verhältnismäßiger Intelligenz. Aber die Kinder des Südens
bleiben früher in der Entwicklung stehen, während die des Nordens
noch als Erwachsene weiter fortschreiten und dann zu weit höherer
Leistungsfähigkeit gelangen. In demselben Grunde liegt die Ueber-
legenheit des Mannes über die Frau.

Doch auch die intellektuelle Leistungsfähigkeit genügt nicht zu
höherem wirtschaftlichen Schaffen. Es müssen noch sittliche Eigen-
schaften hinzutreten, wie Fleiß, Ausdauer, Pflicht- und Ehr-
gefühl, Ordnungs- und Sparsinn, Ehrlichkeit, Hochach-
tung vor Arbeitsamkeit und Freude an der Arbeit. Ein
deutscher Handwerker in Neapel sagte uns: „Ein italienischer Lehr-
ling lernt in 6 Wochen, was ein deutscher sich erst in einem Viertel-
jahre erwirbt, aber doch habe ich noch keinen Neapolitaner soweit
gebracht wie im Durchschnitt den deutschen Lehrling, weil ich in ihm
niemals den nötigen Fleiß und die Ausdauer vorfand.“ Im Durchschnitt
sind es nicht die Hochbegabten, die im Leben am meisten leisten,
sondern die energisch Fleißigen, auch wenn sie nur mit mäßiger Be-
gabung ausgerüstet sind. Die intellektuellen Eigenschaften werden
am meisten unterstützt durch die Lebensauffassung, daß der Mensch
zur Arbeit auf der Welt ist und nur durch Arbeit und Pflichterfüllung
dauernde Befriedigung erlangen kann. Darin, daß diese Lebensauf-
fassung in Deutschland im großen und ganzen vorherrscht und der-
jenige der Mißachtung verfällt, der seine Arbeitskraft nicht angemessen
verwertet, sehen wir die Grundlage der höheren Leistungen Deutsch-
lands gegenüber z. B. Spanien, wo der Arbeit nicht die Achtung ent-
gegengebracht wird, die man ihr bei uns gewährt. Die wirtschaftliche
Ueberlegenheit des Nordamerikaners über den Deutschen ist haupt-
sächlich darauf zurückzuführen, daß bei ihm diese Lebensauffassung
noch weit schärfer ausgebildet ist, als bei uns. Die Hauptgefahr der
Verbreitung sozialdemokratischer Anschauungen liegt darin, daß durch
sie die Freudigkeit an der Arbeit durch Weckung der Mißgunst gegen
den Besitz untergraben wird, wie durch die Lehre, daß auch ohne
intensive Arbeit Wohlstand und Glück zu erlangen sei. Auf der
anderen Seite ist es als Anachronismus zu bezeichnen, wenn für die
Frau aus der gebildeten Klasse eine Erwerbstätigkeit in Deutschland
immer noch als anstößig angesehen wird und dem tatkräftigen Mädchen,
das sich einen eigenen Wirkungskreis im Geschäftsleben schaffen will,
durch weitgehende Vorurteile Schwierigkeiten in den Weg gelegt