werden. In dem Verständnis für dies Streben der Frau sind die Ver.
Staaten Amerikas und die Schweiz Deutschland bedeutend voraus.

Sparsinn und Erwerbssinn sind wohl am meisten bei den
Schweizern und Holländern ausgebildet, dann bei den Franzosen. Die
Letzteren, z. B. Handwerker und Kaufleute, zeichnen sich sehr durch
Zuverlässigkeit und Akkuratesse aus. Ebenso ist dort wie in England
die Ehrlichkeit im Geschäftsleben sehr allgemein verbreitet. Nach
beiden Richtungen steht der deutsche Gewerbestand nicht besonders
zünstig da, wohl aber der höhere Beamtenstand... Dies.ist-der-humas
nistischen. Erziehung, namentlich auch der Tradition zu verdanken, die
wiederum den Erwerbssinn übermäßig zurückdrängt, der in unseren ge-
bildeten Kreisen bei der Erziehung meistens methodisch bekämpft wird,
um den idealen Sinn zu entwickeln. In Nordamerika ist man dagegen
allgemein bestrebt, schon früh den Sinn für Erwerb und Selbständig-
keit zu wecken. Der Knabe erhält kein Taschengeld, sondern Gelegen-
heit, sich etwas zu verdienen. Er erhält z. B. ein paar Apfelbäume,
deren Ertrag er für sich pekuniär verwerten kann; bei Gelegenheit
werden ihm Waren, billige Schmucksachen überwiesen, um sie öffent-
lich zu verkaufen. Ja, man sieht Knaben aus wohlhabenden Häusern
Bücher, Zeitungen kolportieren, wodurch sie an die Erwerbstätigkeit
yewöhnt werden sollen. Dafür ein Beispiel: Der Sohn eines Präsidenten
einer Universität wollte eine kleine Reise machen. Der Vater verweigert
ihm das Geld. Da postiert er sich (nach Münsterberg) vor der Uni-
versität als Schuhputzer und hat bald das nötige Geld zusammen.
Der Vater freute sich darüber und genehmigte nun gern die Reise.
[st das auch unserer Lebensauffassung durchaus zuwider, so erklärt
ss die hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den entwickelten
Geschäftssinn des amerikanischen Volkes, während auf die entgegen-
gesetzte Erziehung in Deutschland der übermäßige Zudrang zu allen
Beamtenstellen zurückzuführen ist. In Deutschland wird der junge
Mann während seiner Studien und vielfach bis in ein verhältnismäßig
hohes Lebensalter von den Kıltern unterstützt und bleibt von ihnen
abhängig. In Amerika ist es selbstverständlich, daß der junge Mann,
der die Schule verlassen hat, sich selbst unterhält. Er wird aus päda-
gyogischen Rücksichten dazu angehalten, auch wo die Mittel reichlich vor-
handen sind, nur um seine Selbständigkeit zu entwickeln. Die Tochter
arhält in der Regel keine Mitgift. Es ist selbstverständlich, daß der
Mann erst heiratet, wenn er die Frau ernähren kann oder sie sich selbst
das Nötige verdient, was dort allerdings leichter ist als hier. Die
veschämenden Geldheiraten fallen aber damit fort, und der Unab-
hängigkeitssinn wird vorzüglich ausgebildet. Die frühe Selbständig-
keit und die Freiheit des Amerikaners, die geringe Bevormundung
der Kinder und die fehlende Hilfe im Hause (weit verbreitet schon
aus Mangel an Dienstboten) bilden das Gefühl der Selbstverantwortlich-
keit, das Selbstbewußtsein und die Tatkraft aus, die ihn auszeichnen.

Die Religion bestimmt in hohem Maße die wirtschaftliche Schaffens-
kraft. Durch die Auffassung der Prädestination der Mohammedaner ist der
Erwerbstrieb bei ihnen erschlafft. Wenn das Geschäft nicht gedeiht, so
ist das nach ihrer Auffassung Bestimmung, nicht die Schuld des Leiters,
Der Protestant setzt den Satz über seine Tür: Hilf dir selbst, so wird
Gott dir helfen. Der Katholik geht davon aus, daß Armut Gott wohl-
gefällig ist, und die große Zahl der Feiertage fördert die Träsgheit.

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