3

8 15.
Das Kapital

Definition des
Kapitals,

Carl Kmnies, Das Geld, Kap. 1. Berlin 1873.

C. Menger, Zur Theorie des Kapitals. Jahrb. f. Nat., 1888, N. F., Bd. XV.

v. Böhm-Bawerk, Kapital und Kapitalzins. Innsbruck 1884 u. 1889, Bd. I u. II.

3. Aufl. 1900 u. 1909.

Umpfenbach, Das Kapital in seiner Kulturbedeutung. Würzburg 1879.

J. B. Clark, Capital and its earning. Amer. econ. Assoc. 1888,

Patten, The fundamental idea of capital. Quat. Journal of Economics 1889,

Ach. Loria, Analisi della proprietä capitalistica. Torino 1889.

Unter Kapital verstehen wir den Teil des Vermögens, welcher,
selbst Produkt menschlicher Arbeit, wieder zur Produktion bestimmt
ist. Nach dem Sprachgebrauche liegt sowohl der Begriff des Vorrats
für” künftige Nutzung, wie der des Erwerbsmittels darin, und je nach-
dem die eine oder andere Seite von dem Autor als in höherem Maße
bedeutungsvoll angesehen wurde, sind die Definitionen sehr verschieden
ausgefallen. Uns erscheint es vor allen Dingen notwendig, das Kapital
den anderen Produktionsfaktoren gegenüberzustellen und außerdem
den Begriff scharf in sich abzugrenzen. Deshalb legen wir Gewicht
darauf, das Kapital in bestimmten Gegensatz zur Natur zu stellen
and nicht mit dem Vermögen zusammenfallen zu lassen, sondern es
ausdrücklich als einen Teil des Vermögens vom Vermögen selbst zu
anterscheiden. Eben deshalb sind nur Güter darunter zu begreifen,
welche der Mensch selbst für seine Zwecke hergestellt hat. Das ist
der Fall ebenso bei dem Kieselmesser aus der Steinzeit, wie bei einer
großen Schneidemaschine, welche Eisenplatten zerschneidet. Das ist
der Fall bei dem primitiven Geräte aus der Wiege der Menschheit, wo
ein abgerundeter und geschärfter Stein in einen Baumzweig gezwängt
ist, um die Hubkraft des menschlichen Armes zu erhöhen, wie bei dem
Dampfhammer, der Hunderte von Zentnern auf einmal auf das unter-
gelegte Eisen herabschlägt. Als Kapital ist aufzufassen das Fabrik-
gebäude, ebenso die land wirtschaftliche Fläche, wo die Ackerkrume durch
sorgfältige Behandlung und Düngung in ihrer physikalischen und
chemischen Beschaffenheit umgewandelt und zu größerer Tragfähigkeit
gebracht ist. Der noch unberührte Boden dagegen wird in der Nähe
der Stadt einen wertvollen Teil des Vermögens bilden, ohne darum
Kapital zu sein. Der Nachdruck ist vielmehr darauf zu legen, daß
durch menschliche Arbeit unter Hinzuziehung besonderer Hilfsmittel der
Gegenstand eine höhere Brauchbarkeit erlangt hat. Das ist bei dem
aus Eisen hergestellten Gerät oder der Maschine der Fall, wie bei der
von Steinen, Wurzeln und Unkraut befreiten Ackerkrume, die viel-
leicht noch durch Drainage von überschüssigem Wasser befreit ist.

Was dagegen nicht einen Teil des Vermögens bilden kann, alle
inneren Eigenschaften, wie besondere Intelligenz, Kenntnisse, Talente,
eine gute Singstimme oder äußere Einrichtungen, wie z. B. der Staat,
können trotz ihrer Nutzbarkeit als Kapital nicht angesehen werden,
weil sie so wenig wie die freien Güter dem Werte nach geschätzt und
sübsumiert werden. können, Auch der Sprachgebrauch ist jener Auf-
fassung, die z. B. Adolf Wagner vertritt, entschieden entgegen und
benutzt den Ausdruck in dieser Weise höchstens im uneigentlichen Sinne,

Schließlich ist die Art der Verwendung maßgebend. Wir
scheiden daher aus dem Kapital die Konsumtionseüter aus. Nur so

2.u