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ist das Kapital als Produktionsfaktor aufzufassen und der Natur an
die Seite zu setzen. Begreift man auch die Konsumtionsgüter darunter,
so fällt in der Hauptsache der Begriff des Kapitals mit dem des Ver-
mögens zusammen, und der letztere reicht allein vollständig aus. Hier-
nach ist das Wohngebäude für den Eigentümer, wenn er es allein be-
nutzt, wohl Teil des Vermögens, aber nicht des Kapitals. Wenn dagegen
der Fabrikant Gebäude an seine Arbeiter überläßt, so sind diese für
ihn, und somit auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkte Kapital.

Es gehören ferner dazu die große Masse der Werkzeuge und
Maschinen, welche die menschliche Arbeitskraft zu unterstützen be-
stimmt sind, wie die Zange die Greifkraft der Hand erhöht, sei es
das kleine Instrument des Zahnarztes oder die gewaltige, mit Kette
and Dampfmaschinen gehandhabte Zange, welche die glühenden Panzer-
platten durch die Walzen hindurch zu zerren hat, um sie zusammen-
zuschweißen: so das Mikroskop und Fernrohr, die Sehkraft des Men-
schen zu unterstützen, das Jagdgewehr oder die Kanone, um das Wurf-
geschoß auf die gewaltigste Entfernung mit größter Treffsicherheit zu
schleudern. Sie gehören unter dieselbe Kategorie der durch den
Menschen hergestellten Produktionsmittel, die seine wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit in der neueren Zeit so enorm gefördert haben.
Es zählt dazu aber auch die Kohle zur Dampferzeugung, das Getreide
als Saatgut und Viehfutter, wie als Nahrungsmittel für die Arbeiter,
aber nur vom volkswirtschaftlichen Standpunkte, während es von dem
des Arbeiters aus Konsumtionsmittel ist. Kapital ist auch der Vieh-
stand des Landwirts, sowohl die Zugtiere wie das Milch- und Mast-
vieh, während die Luxustiere daraus ausscheiden.

Nachdem wir unseren Standpunkt in dieser Weise klar zu legen
gesucht haben, wollen wir eine Anzahl Definitionen hervorragender
Autoritäten dem gegenüberstellen. Turgot und Mac Culloch legen
den ganzen Schwerpunkt auf das Vielhaben. Sie verstehen darunter
einen großen Vorrat zur Nutzung. Adam Smith, Schäffle, Mac-
leod nehmen die Art der Verwendung zur Grundlage und zum Aus-
gangspunkt. Roscher nennt Kapital jedes Produkt, das zu fernerer
Produktion aufbewahrt wird, während uns nicht das Aufbewahren das
Charakteristische zu sein scheint, sondern die Bestimmung des Gegen-
standes. Adolf Wagner versteht darunter Erwerbsmittel vom Stand-
punkt des Besitzers, wonach also auch die Naturkräfte und inneren
Eigenschaften als Kapital erscheinen. Nach Knies ist Kapital der
für eine Wirtschaft vorhandene Bestand von Gütern, welcher zur Be-
friedigung des Bedarfs in der Zukunft verwendbar ist. Hiernach um-
faßt das Kapital nicht nur Produktionsmittel, sondern auch mit Wagner
Erwerbsmittel, und noch darüber hinaus Konsumtionsmittel, also alle
Bestandteile des Vermögens. Hermann nennt Kapital die Grundlage
einer Nutzung, die Tauschwert hat. Diese Richtung hat Karl Menger
weiter verfolgt und in origineller Weise eine eigene Definition aufge-
stellt, die unzweifelhaft sich dem Sprachgebrauch am meisten nähert,
(Schmoller schließt sich ihm in der Hauptsache an.) Er versteht
darunter Geldbeträge, welche der Einkommensbildung gewidmet sind,
Nach seiner Auffassung ist nicht der Ursprung das Maßgebende, sondern
die Nutzung. Er sieht von der wirtschaftlichen Form ab und berück-
sichtigt allein den Wert. Es fällt nach .ihm das Kapital mit dem
Begriff des Stammvermögens einer Erwerbswirtschaft zusammen, und
nur der Teil des Vermögens ist von ihm nicht als Kapital angesehen,

Verschiedene
nffassung des
Kanitals.