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Hilfsstoffe weist er der Natur zu. Da diese letzteren aber erst durch
Arbeit uns zugänglich oder brauchbar geworden sind, so stehen sie
wirtschaftlich auf demselben Boden wie die Werkzeuge. Es liegt nur
ein quantitativer, nicht qualitativer Unterschied vor.

Die bedeutsamste Unterscheidung für unsere Wissenschaft ist die,
in uNTALIENdEF und stehendes Kapital. Die Kigentümlichkeit
ä&S ersteren liegt darin, daß es er Se in dem Produktionsprozesse
zur Anwendung gelangt, in seiner bisherigen Gestalt dabei umgewandelt
wird, und daß der Wert voll und ganz in den des neuen Produktes
übergeht. Das ist der Fall, wenn das Getreide ausgesät oder ver-
füttert wird. Es wird als solches vernichtet und geht in dem land-
wirtschaftlichen Prozesse dem Werte nach in Stroh und Körner der
neuen Ernte oder in Fleisch und Milch der gefütterten Tiere über;
wie ebenso in der Mühle das Getreide in Mehl, das Mehl in der
Bäckerei in Brot verwandelt wird, das als umlaufendes Kapital nur
einmal in dem Produktionsprozesse zu dienen vermag. Das ist ebenso
der Fall bei der Kohle, die zur Erzeugung des Dampfes dient, bei der
Wolle, die zu Garn versponnen wird, während das Garn wiederum
zu Zeug yverwebt wird.

Das stehende Kapital wirkt dagegen nachhaltig in dem Pro-
duktionsprozeß, überdauert den einzelnen Prozeß, wird wiederholt ge-
braucht, nutzt sich erst allmählich ab, so daß der Wert nur langsam
vernichtet und in den Wert der Produkte übergeführt wird. Dazu
gehören vor allem Geräte, Maschinen, das Fabrikgebäude usw. Auch
diese nutzen sich im Laufe der Zeit ab, und es ist die Voraussetzung,

daß die dadurch erzielten Gegenstände in ihrem Werte einen Krsatz
für die Abnutzung gewähren. Es gehören dazu das tote und lebende
[nyentarium in der Landwirtschaft, die Zugtiere, wie das Milch- und
Mastvieh. In der Hand des Fleischers dagegen wird das Mastvieh
umlaufendes Kapital; wenn es geschlachtet und verteilt wird. Einen
bedeutsamen Teil des stehenden Kapitals in einem Lande bilden
Chausseen, Eisenbahnen, Kanäle, Häfen usw., dann die Münze, welche
zwar fortdauernd von Hand zu Hand geht und tatsächlich in der
Volkswirtschaft umläuft, gleichwohl aber stehendes Kapital ist, weil
sie Jahre hindurch den Tausch vermittelt und wirtschaftlich nutzbar ist.

Beide Arten des Kapitals müssen sich gegenseitig ergänzen und
deshalb in entsprechendem Verhältnisse vorrätig sein, damit sie an-
gemessen verwertet werden können. Fehlt es an Kohle und Kisen,
sind diese aus Mangel im Preise zu sehr in die Höhe getrieben, so
können die Maschinenbauanstalten ihre Tätigkeit nicht gleichmäßig
fortsetzen; sind zu viel Fabriken angelegt, so behindern sie sich gegen-
seitig durch übermäßige Konkurrenz, und wirtschaftliche Krisen
sind die Folge. Fehlt es dagegen an Fabriken, um das vorhandene
Rohmaterial zu verarbeiten, ist somit umlaufendes Kapital im Ueber-
nn vorhanden, so wird auch dieses volkswirtschaftlich ein Nach-

eil sein.

Für die Entwicklung der ganzen Volkswirtschaft ist es aber not-
wendig, fortdauernd umlaufendes Kapital in stehendes zu verwandeln
und letzteres mehr und mehr anzuhäufen und zu verallgemeinern. In
der Landwirtschaft müssen sowohl privatwirtschaftlich wie volkswirt-
schaftlich die Ueberschüsse der Ernten in Geld umgesetzt und mög-
lichst dazu benutzt werden, den Boden durch Meliorationen zu ver-
bessern. Gebäude und Inventarium zu ergänzen. um den Boden er-

Stehendes und
umlanfendes
Kapital.