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A Aa Das Kapital unterscheidet sich von den anderen Produktions-
”"*"-  faktor&n wesentlich dadurch, daß es in weit stärkerem, ja fast un-
begrenztem Maße an einem gegebenen Orte vermehrt, angehäuft und
verwertet werden kann. Die Naturkräfte sind gegebene, der Mensch
muß mit ihnen haushälten, wie er sie vorfindet, die menschlichen
Arbeitskräfte sind nur in beschränktem Maße an einem Orte zu kon-
zentrieren und zu summieren. Dagegen kann die Aufhäufung des
Kapitals in einem Lande fast unbegrenzte Dimensionen annehmen;
wie in England und Holland, oder in einer Stadt als Fabrikanlagen,
der in der Lombardstreet in der City von London in großen Bank-
geschäften, um von da aus für alle Weltteile zu arbeiten und sich das
in reichem Maße bezahlen zu lassen. Das Kapital ist somit das bedeut-
samste Mittel, den Wohlstand zu erhöhen, und ohne dasselbe ist er in
engen Grenzen gehalten. Das Kapital ersetzt die menschliche Arbeits-
kraft und nimmt den Menschen das rein Mechanische der Tätigkeit
mehr und mehr ab. Daß das Weberschiffchen sich von selbst bewegt,
was Aristoteles für die Voraussetzung der Beseitigung der Sklaverei
ansah, ist in der neueren Zeit fast erreicht, und damit allerdings der
Mensch gewaltig entlastet. Erst durch das Kapital ist der Mensch
imstande, die Natur erfolgreich zu beherrschen und, was als Zeichen
höherer Kultur anzusehen ist, erfolgreich Vorsorge für die Zukunft zu
treffen. Helfferich stellt in seiner Schrift „Deutschlands Volkswohl-
stand“ den jährlichen Zuwachs an neuen Börsenwerten in den letzten
Jahren in Deutschland auf 3 Milliarden fest, wobei allerdings es sich
nicht überall um Neuschaffung von Kapital handelt. Der durchschnitt-
liche Jahreszuwachs der Guthaben bei den deutschen Kreditbanken
betrug von 1895—1912 etwa 460 Mill. Mk., während die Einlagen in
den deutschen Sparkassen 690 Mill. ausmachten und das Vermögen
der Arbeiterversicherung jährlich um 500 Mill. stieg. Das wären zu-
sammen 41, Milliarden.
8 17.
Die Vereinigung der Produktionsfaktoren in den Ge-
werben und Unternehmungen.
Werner Sombart, Der moderne Kapitalismus, Bd. I: Die Genesis des Kapita-
.ismus. Bd. II: Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung. Leipzig 1902,

Brentano, Der Unternehmer. Berlin 1907.

Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft, Leipzig 1909,

L. Pohle, Der Unternehmer.

Wiedenfeld, Das Persönliche im modernen Unternehmertum. Leipzig 1911,

&. Schmoller, Die geschichtliche Entwicklung der Unternehmung; Jahrbuch
für Gesetzgeb. u. Verw. Bd. 14.

Die Entwick-
ung der ein-
zelnen Ge-
werbe.

Die drei Produktionsfaktoren können vereinzelt nur wenig leisten.
Nur in ihrer Vereinigung sind sie in der Volkswirtschaft von Be-
deutung. Die Vereinigung von Produktionsfaktoren findet nun in
den verschiedenen Gewerbszweigen statt. Die gesamte gewerbliche
Tätigkeit wird durchgeführt in einer großen Zahl von Betrieben, die
wiederum verschiedene Formen haben. Der hauswirtschaftlichen
Tätigkeit, welche nur für ‚die Befriedigung des eigenen Bedarfs
arbeitet, steht die gewerbliche gegenüber, welche die Arbeit für
Andere ausführt gegen Gewährung eines Aequivalents d. h. gegen
Bezahlung. Dies geschah in früheren Zeiten allgemein handwerks-
mäßig, zunächst durch Ausführung der Arbeit im Hause des Auftrag-