_ 47 -

yebers, der das Material zur Verarbeitung lieferte (Bücher nennt dies
Lohnwerk). Oder indem der Handwerker die Arbeit in der eigenen
Werkstatt hauptsächlich mit selbstbeschafften Stoffen und eigenen
Geräten ausführte, zunächst in der Regel auf Grund bestimmter Be-
stellung von Kunden, dann auf Vorrat zum Verkauf auf dem Markt.
Eigentümlich ist dem Handwerksbetrieb das Ueberwiegen der eigenen
Facharbeit durch den Leiter mit nur wenigen Gehilfen und ohne großes
Kapital, mit mehr lokalisiertem Absatz der Erzeugnisse, weshalb auch
das Geschäftsrisiko nur ein geringes ist. Auch das kaufmännische
Geschäft wurde früher sehr allgemein handwerksmäßig durchgeführt,
wie noch jetzt in dem gewöhnlichen Detailgeschäft. Die Ausübung des
ärztlichen wie des Berufs als Advokat hat die gleiche Form. Die moderne
Entwicklung der Volkswirtschaft führte dagegen Zur Ausbildung des
„Unternehmens“ und der „Unternehmerklasse“ neben dem Hand-
werk und dem Handwerker. Das Charakteristische liegt in folgenden
Momenten:

In dem Unternehmen sind von dem Leiter viele Hilfskräfte (Be-
amte, Arbeiter) zur gemeinsamen Tätigkeit herangezogen, welche durch
größere Kapitalskräfte unterstützt werden. Für den Unternehmer ist
infolge des bedeutenden Umsatzes ein erhebliches Risiko mit dem
Unternehmen verbunden, welches durch die Absatzkonjunkturen be-
dingt wird, die weit größeren Schwankungen als bei dem Handwerk
anterworfen sind, weil das Unternehmen seine Tätigkeit nicht in
solchem Maße lokal begrenzt. Die Aufgaben des Unternehmers gehen
dahin, den Bedürfnissen des Publikums gemäß die Produktion zu ge-
stalten, sowie die Entwicklung derselben durch neue Erfindungen an-
zuregen (neue Muster), durch Kostenersparung den Bezug zu erleichtern
“billigere Herstellung durch bessere Methoden, Anwendung von
Maschinen), durch Aufsuchen der Kauflustigen und Berücksichtigung
ihrer Ansprüche den Absatz zu erweitern. Hierzu gehören technische
Kenntnisse, Uebersicht über wirtschaftliche Verhältnisse, daher kauf-
männische Ausbildung und spekulativer Sinn, um die Konjunkturen zu
benützen.  Es-gehört ferner dazü organisatorische Begabung, um Ka-
pital und Arbeitskräfte an die rechte” Stelle zu setzen und zu ent-
sprechender Verwertung zu bringen. Bei größeren Unternehmungen
veht es über die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Menschen hinaus,
allen diesen Aufgaben gwachsen zu sein. Daher werden leitende
Kräfte in Form von Geschäftsteilhabern, Direktoren und sonstigen
Beamten verschiedenster Art zur Ergänzung und Vertretung hinzu-
gezogen. So unterliegt es keinem Zweifel, daß in einer Aktiengesell-
schaft die Aktionäre die Unternehmer sind, weil sie das Geschäfts-
risiko tragen und dementsprechend den Geschäftsgewinn beziehen, wo-
mit verbunden ist die Wahl der ausführenden und stellvertretenden
Geschäftsleiter (Direktoren), von deren Tüchtigkeit das Gedeihen des
Unternehmens abhängt.

Eine so große Rolle hierbei auch das Kapital spielt, so ist es
doch durchaus nicht das allein entscheidende Moment, vielmehr kann
es durch eine große Zahl von Arbeitern ersetzt werden, wie bei einem
Dienstmannsinstitut, Stellenvermittlungs-, Maler-, Friseurgeschäft mit
zroßer Gehilfenzahl. Es ist deshalb einseitig, das Unternehmertum als
sigentliches Produkt des Kapitalismus hinzustellen und es mit ihm zu
identifizieren. Während wiederum auch bei einer geringen Zahl der
angestellten Personen ein gvewaltiges Kapital beschäftigt sein kann, wie

Das Unter:
nehmen.