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Verhältnis der
Faktoren im
Gewerbe.

Jeberwiegen
les BP
auf höherer
Kulturstufe.

bei einem Börsenspekulations-, Bank-, Versicherungsgeschäft. Beides
vereinigt liegt im gewöhnlichen Fabrikunternehmen wie im kauf-
männischen Geschäft vor.

Je nach der Kulturstufe und den bestimmten wirtschaftlichen Ver-
hältnissen finden wir aber die Zusammensetzung der Produktionsfaktoren
in sehr verschiedener Weise gestaltet. Bald ist der eine, bald.der
andere Faktor im Uebermaß oder in unzüreichender Weise vertreten,
Irden Ver. Staaten Amerikas, in Mexiko, auch in dem Innern Rußlands
finden sich Landstrecken, unterirdische Erzlager, die aus Mangel an
Arbeitskräften nicht verwertet werden können. Noch mehr ist das in
den erwähnten Ländern, dann in der Türkei, Persien, Rumänien aus
Mangel an Kapital der Fall; während dagegen in den Hauptländern
des europäischen Kontinents überschüssige Arbeitskräfte vorhanden sind,
die sich in das Ausland wenden, um dort eine bessere Verwertung
zu suchen; wie namentlich die jüngeren Söhne der Bauern, deren Erb-
teil nicht ausreicht, hier sich anzukaufen, nach Amerika hinüber wandern,
um dort eine eigene Scholle zu gewinnen und ihre Selbständigkeit zu
bewahren. Besonders aus England, Holland, dann auch aus Frankreich
und Deutschland werden fortdauernd Kapitalien in die mehr zurück-
gebliebenen Länder gesendet, um dort eine lukrativere Anlage zu finden,
indem sie die disponiblen Naturkräfte zur Verwertung heranziehen.
So liegt überall das Streben vor, eine Ausgleichung zwischen den ver-
schiedenen Ländern herbeizuführen, um die drei Faktoren in einem
angemessenen Verhältnis auftreten zu lassen. Sie wirken dann ver-
einigt in einzelnen Produktionsgruppen, und diese nach Art der pro-
duktiven Tätigkeit gesonderten Gruppen, in welchen einzelne Menschen
oder Sozietäten sich zur Verbindung der einzelnen Kraftteile ver-
einigen, heißen Gewerbe, VUeberall, wo von einer Volkswirtschaft
die Rede ist, sind die Gewerbe vorhanden, und in diesen zusammen-
wirkend die drei Faktoren, Mit der Entwicklung der Kultur treten
aber Verschiebungen in der Wirksamkeit der einzelnen Faktoren
hervor. Auf der ersten Entwicklungsstufe überwiegt die äußere Natur.
Die menschliche Tätigkeit beschränkt sich auf Okkupation. Mit zu-
nehmender Volksdichtigkeit wird allmählich mehr Arbeit auf jedes
Objekt aufgewendet, aber noch im Beginne der neueren Zeit spielte
jas Kapital nur eine unbedeutende Rolle, welches hauptsächlich im
Laufe des 19. und des gegenwärtigen Jahrhunderts mehr und mehr
las Uebergewicht gewonnen hat. Dies ist auch in den einzelnen Ge-
werben zu verfolgen.

Die Landwirtschaft ist im Anfang der Kultur eine ganz extensive.
In der rohsten Weise wird die Erdoberfläche aufgeritzt, das Getreide
hineingesät und das Weitere der Natur überlassen, bis die Ernte reif ist.
Allmählich wird der Acker sorgfältiger behandelt und besonders tiefer
and öfter gepflügt, zum ganzen landwirtschaftlichen Betriebe werden
Maschinen zu Hilfe gezogen, den aufkeimenden Pflanzen wird eine ge-
wisse Pflege zugewendet, das Wachstum durch reichlichen Dünger
unterstützt, ein kostbarer Viehstand in wertvollen Gebäuden gehalten
und somit immer mehr Arbeit und ein erhebliches Kapital mit der
Wirtschaft verbunden. . .

In der gleichen Weise vollzieht sich der VUebergang vom Hand-
werk zum Fabrikbetriebe durch erweiterte Anwendung von Kapital.
Was bei dem ersteren die menschliche Hand allein vermittels eines
Werkzeuges vollzieht, wird in der Fabrik durch Maschinen, die wieder