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Ss 921.
Die Konkurrenz.
Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichte 1877, :Art. von
Hertzka u. Wolf.

Wagner, Grundlegung der polit. Oekonomie. Bd. I: Das moderne System der
reien Konkurrenz.

Ist bei dem Tauschverkehr auch ein gemeinsames Interesse die
Grundlage desselben, so tritt doch ein Gegensatz der Parteien insofern
hervor, als Jeder bestrebt ist, einen möglichst hohen Gewinn zu er-
zielen, der dann zum Teil auf Kosten der Anderen erreicht wird.
Dies trat bei dem Beispiel der Bewucherung des Pferdeverkäufers, der
notwendig Geld brauchte, zutage. Sein Gewinn war auf ein Minimum
reduziert, der Käufer war in der Lage, sich einen übermäßigen Ge-
winn anzueignen. Die Gefahr einer solchen Ungleichheit des erzielten Regulierende
Vorteils wird deshalb nahe liegen. Die Adam Smithsche Schule BU aatnS noch
ving nun davon aus, daß nach einem allgemeinen wirtschaftlichen *- Smith
Naturgesetze in dem Zustande wirtschaftlicher Freiheit sich überall,
wo man von Volkswirtschaft sprechen kann, ein freies Mitwerben bei
Produzenten einerseits, Konsumenten andererseits, zwischen Käufern
ınd Verkäufern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern herausstelle, welches
eine jede Uebervorteilung des einen Teiles im großen Durchschnitte
ınmöglich mache. Mit anderen Worten, die freie. Konkurrenz, führe,
in dem wirtschaftlichen Treiben eine allgemeine Harmonie der Inter:
36sen herbei, und zwar naturgesetzlich, indem Jeder durch sein eigenes
Interesse aus Rücksicht auf seine Konkurrenten gezwungen sei, sich
nur mit einem mäßigen Verdienste zu begnügen, während ebenso in-
(olge der vielseitigen Nachfrage gleicher Interessenten die Kauflustigen
yezwungen würden, einen angemessenen Preis für die Ware wie für
Dienstleistungen zu zahlen. Gerade diese Auffassung, die von der}
Adam Smithschen Schule, so von David Ricardo, Frederid
Bastiat und der deutschen Freihandelspartei vertreten wurde, führte‘
zu der Forderung, daß der Staat sich jeder Einmischung in das wirt-‘
schaftliche Leben ‚enthalten müsse, daß €S eine Soziale Frage nicht
geben könne, weil jeder Arbeitgeber durch ein Naturgesetz gezwungen
sel, die Löhne zu zahlen, die den Verhältnissen angemessen seien, und
mehr auf keinen Fall zahlen könne, wiederum unter dem Druck der
Konkurrenz. Ebenso führe internationale Handelsfreiheit zur besten
Entwicklung der Kultur aller Länder, weil dann jedes das produziere,
WOZU es am besten befähigt Sei.

Einen weiteren Vorteil sahen sie darin, daß jeder unter dem
Druck der Konkurrenz und dadurch in der Furcht, von seinem Neben-
duhler verdrängt zu werden, sich veranlaßt sieht, alle Kräfte an-
zustrengen, um womöglich Vollkommneres und Besseres zu leisten als
die Konkurrenten. Der Kaufmann muß suchen, gute Ware zu einem
möglichst billigen Preise den Kunden zu liefern, um diese an sich zu
ziehen; der Fabrikant, der Handwerker und Arbeiter wird sich veran-
laßt sehen, die Aufträge so schnell und gut auszuführen, als es ihm mög-
lich ist, um weiter solche Beschäftigung zu erhalten. Die natürliche Träg-
heit im Menschen wird dadurch überwunden, eine Erschlaffung, die ohne
jenen Druck erfahrungsgemäß fast allgemein eintritt,. wird vermieden.