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BEN
gung der

körperlichen
Entwicklung.

Kinseitige
Schulune.

den Blasebalg in Bewegung setzen, das Feuer unterhalten und schüren.
Das einseitige Bedienen der Maschinen, das gleichmäßige Befeilen
bestimmter Kisenstücke ermüdet nicht nur, sondern stumpft in hohem
Maße ab, der Mensch wird durch die Maschine selbst zur Maschine,
so daß für den Kulturmenschen eine Abkürzung der Arbeitszeit, sowie
eine ergänzende körperliche Tätigkeit und geistige Anregung not-
wendig wird. Das Interesse an dem hergestellten Gegenstande geht
anderenfalls verloren. Schon ein Wechsel in der Fabrikstätigkeit
pflegt die Arbeitsfreudigkeit zu heben. Daher ist es für den Fabrik-
arbeiter wünschenswert, daß er ein Stück Garten oder Ackerland
zur Verfügung hat, um sich in den Freistunden in frischer Luft mit
der ganz andersartigen landwirtschaftlichen Arbeit zu beschäftigen.
Die‘ Eintönigkeit der Beschäftigung ist vielfach allein der Anlaß für
den Wechsel der Arbeitsstelle, des Wohnortes, des Berufs; noch
häufiger des Alkoholismus, der vielen Arbeiterfeste usw. (Herkner;
Die Bedeutung der Arbeitsfreude, Dresden 1905.)

Leidet schon der erwachsene Körper leicht durch eine permanente
einseitige Anstrengung, so ist dies in noch viel höherem Maße bei
dem jugendlichen Arbeiter der Fall. Durch die einseitige Ausbildung
bestimmter Muskeln verkümmern die mit ihnen korrespondierenden.
Bestimmte Organe werden gedrückt und degenerieren; die Entwicklung
des Körpers ist nicht eine harmonische, und die Leistungsfähigkeit
des Erwachsenen eine unvollkommene, wenn der Körper nicht über-
haupt frühzeitig zugrunde geht. Noch mehr ist dies zu sagen‘ von
der geistigen Entwicklung, die unter einer rein mechanischen Tätig-
keit notwendig leiden muß. In einer zu großen Ausbildung der Arbeits-
teilung, wie sie unser Großbetrieb mit sich bringt, liegt deshalb un-
zweifelhaft eine Gefahr der Degeneration des Nachwuchses vor, und
die Gesetzgebung hat sich infolgedessen auch veranlaßt gesehen, zum
Schutze der jugendlichen Arbeiter energisch einzugreifen.

Aber auch in anderer Hinsicht zeigt die Arbeitsteilung ihre be-
denklichen Folgen für die allgemeine Ausbildung des Lehrlings und
jugendlichen Arbeiters. In den Fabriken, wie in der Hausindustrie
wird der eingestellte Lehrling und jugendliche Arbeiter meist mit einer
untergeordneten Tätigkeit betraut, die er sehr bald gut auszuführen ver-
mag, damit er seine Stelle ausfüllt und dem Lehrherrn den Unterhalt
zurückzahlt. So wird z. B. vielfach mißbräuchlich der Schuhmacher-
Jlehrling ausschließlich mit der Anfertigung eines Absatzes und der Ver-
bindung des Absatzes mit der Sohle, der Schneiderlehrling mit dem An-
nähen von Knöpfen oder der Anfertigung von Säumen beauftragt, womit
er in größeren Unternehmungen den ganzen Tag Beschäftigung zu finden
vermag. Wird diese Arbeitsteilung weiter fortgesetzt, So fehlt es natur-
gemäß an jeder allseitigen Ausbildung, und, während bei dem einfachen
Handwerker jeder Schuhmacherlehrling einen Schuh oder Stiefel, jeder
Schneiderlehrling einen Anzug von Anfang bis zu Ende fertig zu stellen
lernt, bleibt der jugendliche Arbeiterin der Hausindustrie wiein der Fabrik
meist auf einzelne wenige Arbeiten beschränkt und wird daher ganz
unvollkommen und einseitig ausgebildet. Wird er aus seiner bisherigen
Stelle entlassen, So ist es für ihn besonders schwer einen neuen Posten
zu finden, wo man gerade für die von ihm speziell erlernte Arbeit einen
Vertreter gebraucht. Die Strickerin, welche gewohnt war, einen be-
stimmten Besatz für einen Umhang oder dergleichen zu stricken, kommt
in arge Verlegenheit, ‚wenn die Mode sich ändert und gerade diese

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