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DOräeung

mit dem Stempel des Jahres 1644, von dem die größte Münze, ein
Zehntalerstück, 2 Fuß lang, 1 Fuß breit, einen Finger stark war
und 19,7 Kilo wog.. Die 8-, 6-, 4-, 2-Talerstücke waren entsprechend
kleiner, aber auch viereckig und nur gestempelt. Das Stralsunder
Museum besitzt handgroße, achteckige Kupfergeldstücke aus der schwe-
dischen Zeit, Noch in der Gegenwart bilden die gestempelten Silber-
und Goldbarren bei den Banken einen großen Teil des Geldvorrates
und werden zu Zahlungen untereinander verwendet.

Um die Verminderung des Gehaltes durch Abschaben und Ab-
schneiden schon äußerlich kenntlich zu machen und damit davor zu
schützen, gab man dann jenen Metallstücken ein künstlerisches Ge-
präge. Kin wesentlicher Schritt vorwärts war es, als der Staat sich
die Herstellung dieser metallenen Tauschmittel vermöge seines Hoheits-
rechtes in dem Münzregal vorbehielt, dafür aber auch die Garantie
für den richtigen Gehalt, der darauf verzeichnet war, übernahm.

Wann die erste Münze geprägt ist, konnte bis jetzt nicht fest-
gestellt werden. Die Einen meinen, daß in Assyrien schon im Home-
rischen Zeitalter die Münzprägung stattgefunden hat. Andere Forscher
halten die Lyder für die Erfinder der Geldprägung, weil sich lydische
und griechische Münzen aus einer Zeit finden, wo Assyrien, resp. Baby-
lonien noch als Reiche bestanden, während uns assyrische Münzen aus
jener Zeit nicht überkommen sind. In Griechenland ist sie zur Zeit
Solons nachweisbar, ebenso in Rom zur Zeit der Könige. Noch im
Jahre 269 v. Chr. wurde in Rom nur Silber geprägt, im Jahre 207
dagegen auch Gold. Abraham zahlte in Silber, schenkte Gold.

Erst durch die geprägte Münze wurde ein Tauschmittel hergestellt,
das den Anforderungen eines entwickelten Verkehrs genügte und sich
Tahrtausende hindurch in fast unveränderter Weise erhalten hat.

$ 26.
Das Wesen des Geldes.

Volkswirt-
schaftliche
Funktionen.

Darl Knies, Geld und Kredit. 2. Aufl., Abt. 1, Berlin

Hartmann, Ueber den rechtlichen Begriff des Geldes.

Ders., Internationale Geldschulden. Tübingen 1882,

Walras, Theorie de la monnaie, Paris 1886.

J. Meyer, Das Geld. Wien 1871.

%. Hildebrand, Die Theorie des Geldes. Jena 1883,

*, Simmel, Philosophie des Geldes. Leipzig 1900.

-. Fr. Knapp, Die staatliche Theorie des Geldes, Leipzig 1905.

K. Diehl, Eine neue Theorie des Geldes. Bank-Archiv, Jahrg. V Nr. 21.

Altmann, Zur deutschen Geldlehre des 19. Jahrh. (Entw. d. V.-W.-L. im
19. Jahrh.). Leipzig 1908.

Das Gut, welches als allgemeines Tauschmittel akzeptiert ist,
dient auch zugleich als allgemeines Wertmaäß; indei es zur Ver.
zleichung mit anderen Gegenständen herängeZößeN, und damit der Wert
lerselben zum Ausdruck gebracht wird. Hierdurch hat es eine neue
vedeutsame Funktion im wirtschaftlichen Leben übernommen und wird
aoch unentbehrlicher als das Längen- und Gewichtsmaß. Außerdem
dient es als Sparmittel, indem die überschüssigen Vorräte in das-
selbe umgewandelt und als Reserve aufbewahrt werden. Erst durch
ein gutes Sparmittel kann auf primitiver Stufe der Kultur die Kapitals-
bildung vor sich gehen und wird die Bevölkerung daran gewöhnt, nicht
jeden reichlichen Vorrat zu vergeuden, sondern den Wert in das all-