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wird der Bedarf für Industriezwecke abhängen einmal von der Aus-
dehnung des Weltverkehrs und der Ausbreitung der Kultur. Je mehr
Länder in den allgemeinen Verkehr hineingezogen werden, um SO aus-
gyedehnter wird das Territorium sein, welches Ansprüche an Edelmetall
erhebt. Je mehr dann in demselben die Bevölkerung steigt, um so
mehr wächst die Zahl derjenigen, welche das Metall in der einen oder
der anderen Form begehren. Sehr bedeutsam ist dann die Wohlhaben-
heit der Bevölkerung, weil mit derselben die Zahl der Nachfragenden
und mit der Kaufkraft derselben auch die Ausdehnung des Bezuges
steigt. Es ist bekannt, wie in den letzten Dezennien die unteren
Klassen nach Erhöhung der Löhne immer mehr Schmucksachen, Uhren
usw. verwenden, wie in den bürgerlichen Kreisen weit mehr Silbergerät
aller Art gebraucht wird als früher; und je mehr die nach vielen
Millionen zählenden Personen der unteren Kreise sich an dem Ge-
brauche beteiligen, um so gewaltiger ist natürlich der Einfluß.

Der Münzbedarf wird gleichfalls wesentlich durch dieselben Mo-
mente bestimmt, wie der Industriebedarf. Je stärker die Bevölkerung
ist, um so mehr kaufende Persönlichkeiten sind vorhanden. Je wohl-
habender ein Land ist, um so mehr wird im Durchschnitt von Jedem
gekauft, um so größer ist daher der Umsatz an allen Produkten, und
um so mehr Münze ist unter sonst gleichen Verhältnissen erforderlich,
um die Umsätze zu vermitteln. Vermindernd auf den Münzbedarf
wirkt dagegen verhältnismäßig die Schnelligkeit des Umsatzes, weil da-
durch dieselbe Quantität Münze, die schneller von Hand zu Hand geht,
zu mehr Käufen zu dienen vermag; gerade so wie zur Herüberschaffung
von Getreide aus London nach Hamburg viel weniger Dampfschitfe
notwendig sind, die in wenigen Tagen die Hin- und Rückfahrt bewerk-
stelligen können, als Segelschiffe, die dazu Wochen gebrauchen. Daher
ist der Bedarf an Münze im Verhältnis zu dem Umsatz auf dem Lande
sehr viel größer als in der Stadt, weil die Landbevölkerung viel allge-
meiner das Geld in der Kasse aufzubewahren pflegt als die städtische.
Ebenso bedarf Rußland verhältnismäßig mehr Münze als Deutschland,
Deutschland mehr als England. Von ungleich größerem Einfluß aber
ist das dritte Moment der Heranziehung von Geläsurrogaten oder
Ausgabe von Papiergeld, wodurch enorme Quantitäten von Münzen
erspart werden können. Außer dem Papiergeld und Banknotenverkehr
kommt die Zahlung durch Wechsel und Schecks in Betracht, wie der
Giroverkehr der großen Zentralbanken. ‚Je mehr in einem Lande die
Tätigkeit der Banken um sich greift, wie z. B. in England, um so
weniger Münze kommt in Umlauf und ist für den Umsatz erforderlich.
Daher die "Tatsache, daß trotz der gewaltigen Steigerung des Waren-
umsatzes in den Kulturländern die Zunahme des Münzbedarfs ver-
hältnismäßig gering gewesen ist; die Ausbildung der Kreditwirtschaft
hat hier entsprechenden Ersatz geboten.

Fortdauernd ist natürlich für etwaige Verluste, dann für die Ab-
nutzung sowohl der Geräte wie der Münzen Ersatz zu schaffen, der
gleichfalls den Verhältnissen entsprechend verschiedene Größe hat.
Doch ist er von keiner hervorragenden Bedeutung, seit die Gewinnung
von Edelmetall größere Dimensionen angenommen hat.

Alle diese Verhältnisse beeinflussen naturgemäß nicht den Wert
der Edelmetalle in einem einzelnen Lande, sondern sie kommen nur
für die Gesamtheit der Kulturländer und den ganzen Weltverkehr in
Betracht, welcher hier als ein gegebenes Ganzes in das Auge zu fassen

Monrad, Grundriß der polit. Oekonomie. I. Teil. 8. Aufl. ß

Münzbedarf.