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Wertschwankungen des Geldes.

Lindsay, Die Preisbewegung der Edelmetalle seit 1850, Jena 1893,

Die Auffassung des Geldes als einfacher Ware schloß die An-
nahme in sich, daß der Wert des Geldes allein bestimmt werde durch
die Quantität, welche sich in Umlauf befände. So sind vor allem
David Hume, John Stuart Mill Vertreter der sog. Quantitäts-
theorie, Dieselben fassen die ganze Geldwertbestimmung wie folgt
auf: Dem Gelde gegenüber steht die Gesamtheit der Güter, welche in
der Volkswirtschaft gebraucht und daher mit Geld gekauft werden.
Der Wert beider muß als gleich angenommen werden, um mit der Ge-
samtheit des Geldyvorrates die Gesamtheit des Warenvorrates kaufen
zu können. Wird nun der Geldvorrat erhöht, während der Waren-
vorrat der gleiche bleibt, so behält der erstere in der Gesamtheit
den gleichen Wert, während jeder Teil nach der Vermehrung einen
geringeren Wert besitzt. Derselben Quantität Waren steht eben
mehr Geld gegenüber, welches dafür hingegeben werden muß; mit
anderen Worten: der Wert des Geldes ist entsprechend vermindert.
Wenn umgekehrt eine teilweise Einziehung des Geldes stattfindet,
somit ein geringeres Quantum dem bisherigen Warenvorrat gegen-
übersteht und sumit dieses geringere Geldquantum noch denselben
Gesamtwert hat, wie vorher das größere, so ergibt sich, daß jetzt
jeder Teil, sagen wir 10 M., eine entsprechend höhere Kaufkraft
besitzt. Ist der Geldumlauf z. B. um 10%, eingeschränkt, so wird
unter sonst gleichgebliebenen Verhältnissen für 10 M. nun um 10%
Ware mehr gekauft werden können.

So einfach sind nun in dem wirklichen Leben die Verhältnisse
nicht, wie man sie sich nach der Quantitätstheorie vorstellte. John
Stuart Mill sucht seine Auffassung in der folgenden Weise zu er-
läutern: Wenn, sagt er, plötzlich durch Zauberschlag der gesamte
Geldvorrat verdoppelt würde, so daß jeder in seiner Kasse die doppelte
Summe wie bisher hätte, so würde die Folge davon einfach sein, daß
alle Preise und Löhne auf die doppelte Höhe steigen würden, die
Volkswirtschaft würde im übrigen dadurch nicht wesentlich verändert
werden. Diese Auffassung ist durchaus nicht als richtig anzuerkennen.
Wenn sich jener Vorgang auf ein einzelnes Land beschränkt, so wird
die Einwirkung eine ganz verschiedene sein, je nachdem es sich um
vollgültige klingende Münze in Edelmetall oder um Kreditgeld handelt,
dessen Zirkulation auf das Inland beschränkt ist. In dem ersteren
Falle würde die Entwertung der Münze gegenüber dem Edelmetall-
gehalt und infolgedessen auch gegenüber dem Auslande zutage treten.
Die Geschäftswelt würde sofort eingreifen, um jeden Ueberschuß über
den Bedarf an das Ausland abzusetzen resp. einzuschmelzen. Dadurch
würde sehr bald der alte Zustand wiederhergestellt sein, es bliebe
aur die allgemeine Bereicherung übrig, welche die Volkswirtschaft
durch den Verkauf des Edelmetalls erfahren hat. Es ergibt sich
daraus, daß sich unter unseren Verhältnissen bei dem regen Verkehr
mit dem Auslande und der leichten Transportabilität der Edelmetalle
der Geldwert niemals wesentlich von dem des Edelmetalles, aus Wert des Edel
welchem die Kurantmünze besteht, entfernen kann; namentlich sich qm tales als
nicht unter demselben zu erhalten vermag. Heliweltes

Ist dagegen das betreffende Geld auf den Verkehr des Inlandes

BR