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Große Elasti-
zität des Ver-
kehrs in der
Aufnahme von
Umlaufs-
mitteln.

allein angewiesen, z. B. bei der Papierwährung, so wird nun allerdings
eine Entwertung desselben unausbleiblich sein. Jeder sucht es mög-
lichst los zu werden und sträubt sich gegen seine Aufnahme. Aber
auch hier ist nicht. ein allgemeiner gleicher Einfluß auf die Preise
der Waren anzunehmen; die Veränderung vollzieht sich auch nicht
glatt und einfach, sondern die allgemeine Ausgleichung kann sich
erst nach großen Umwälzungen und sehr verschiedenartiger Beein-
flussung der einzelnen Betriebszweige usw. vollziehen, worauf wir im
folgenden Paragraphen zurückzukommen haben werden.

In unserer Zeit der Kreditwirtschaft ist aber noch ein anderes
Moment zu beachten. Der Verkehr verträgt eine bedeutende An-
häufung von Umlaufsmitteln, ohne daß dieselben bereits eine Ent-
wertung zu erfahren brauchen, weil sehr erhebliche Quantitäten sich
in den Kassen der Privaten anhäufen können, ohne besondere Be-
schwerde hervorzurufen. Wenn deshalb der Kredit des Staates ein
absolut gesicherter ist, so wird auch eine zu starke Ausgabe von Papier-
geld nicht sofort eine erhebliche Entwertung desselben verursachen,
Das trat in Deutschland während der Kriege 1866, 1870/71 und 1914
klar zutage. Noch viel größer ist aber die Elastizität des Verkehrs in
bezug auf einen Mangel an Umlaufsmitteln, bei dem in großer Aus-
jehnung die Vermittlung durch Kredit eintreten kann, und damit
Stockungen und tiefere Wirkungen des Mangels vermieden werden
können. Es wird dann in ausgedehnterem Maße durch Wechsel,
Schecks und andere Anweisungen gezahlt, im kleinen Verkehr wird
das Entnommene bei dem Kaufmann angeschrieben und auf Rechnung
gestellt. Der Käufer unterläßt schwerlich einen notwendigen Kauf,
wenn nach seinem Einkommen seine Zahlungsfähigkeit feststeht und
ihm nur das Zahlungsmittel zur baren Begleichung nicht zur Hand
ist. Der gesamte Verkehr hilft sich hier eben durch das moderne
Hilfsmittel des Kredites. Es wird außerdem nie das ganze Quantum
der vorhandenen Waren auf einmal mit dem ganzen vorhandenen
Gelde gekauft, sondern stets nur einzelne Teile mit kleinen Summen,
die kurz darauf wieder zum Kauf anderer Teile verwendet werden.
Außerdem werden mit dem Gelde doch auch Güter vom Auslande ge-
kauft, und zwar jetzt in sehr bedeutendem Maße. Aus Allem geht
hervor,..daß überhaupt nicht, keineswegs jedenfalls in der modernen
Volks- und Kreditwirtschaft bei normalen Verhältnissen.die Quanti-
fätstheorie eine Berechtigung hat. Den Bedarfsmitteln steht nicht
nur das Geld gegenüber, sondern mähn Kauft auch durch, und auf
Kredit. Eine Vermehrung oder Verminderung der Umlaufsmittel ist
für den Geldwert irrelevant, solange ein internationaler Austausch
von Zahlungsmitteln stattfindet. Wenn man daher die Preissteigerung
in Deutschland Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
auf die Vermehrung der Umlaufsmittel infolge der Milliardenzahlung
zurückführen wollte, so beruhte das auf einem prinzipiellen Irrtum.

Vermehrung der Umlaufsmittel erhöht nicht den Wohlstand und
damit auch nicht die Kaufkraft eines Volkes, die von dem Ertrage
der Nationalarbeit und infolgedessen von dem Nationaleinkommen
abhängt. Meine nachhaltige Kaufkraft bleibt dieselbe, ob ich mein
Gehalt in einer Anweisung auf die Bank oder in kleiner Münze aus-
gezahlt erhalte.

Eine zu starke Vermehrung des Vorrates der Umlaufsmittel im
Weltrerkehre wird natürlich zur Folge haben, daß Münze in