ermäßigt, sondern auch vor allem den des Getreides, so daß die sehr
allgemeine Herabdrückung des Preisniveaus der großen Masse der
Waren in den letzten Dezennien des vorigen Jahrhunderts sehr wohl
allein durch den wirtschaftlichen Fortschritt ausreichend zu erklären
ist, so daß man nicht nötig hat, die Ursache bei den Edelmetallen
zu suchen. Worauf die Preissteigerung der letzten Jahre zurückzu-
führen ist, kann hier nicht untersucht werden.

Es gibt aber noch eine dritte Art der Veränderung des Geld- Zinfuß der
wertes, und diese ist es, die bei der gewöhnlichen Betrachtung der sprüche auf den
Verhältnisse ins Auge fällt und der Grund ist, weshalb man von © dwert.
der großen Geldentwertung im Laufe des letzten Jahrhunderts
spricht, nämlich die Veränderung der menschlichen Bedürf-
nisse, der Ansprüche an das Leben. Man sagt, daß seit dem Be-
ginne des 19, Jahrhunderts der Geldwert gewaltig gesunken sei, und
versteht...darunter /} daß heutigen Tages eine _Familie_in derselben
söZzialen Stellung nicht von der gleichen Summe zu leben vermag wie
damals. Das ist aber nicht deshalb der Fall, weil die Preise aller
Gegenstände heutigen Tages viel höher sind als damals, und infolge-
dessen die absolute Kaufkraft des Geldes jetzt eine geringere ist als
früher, sondern allein oder hauptsächlich, weil unsere Eltern und
Großeltern sehr viel einfacher lebten, nicht so hohe Anforderungen
an Komfort usw. machten, weniger für Reisen usw. ausgaben und
daher mit einer geringeren Summe auszukommen vermochten. Es
handelt sich um eine relative Verminderung der Kaufkraft derselben;

Summe. Diese Veränderung ist in der neueren Zeit besonders groß‘
in der unteren und mittleren Klasse der Bevölkerung gewesen.

8-29.
Die volkswirtschaftlichen Folgen der Wertschwankungen
des Geldes,

TR ch Die Ursachen der Geldentwertung und ihre bisherige Auffassung.

E. Nasse, Die Demonetisierung des Silbers. Holtzendorffs Jahrb., I, S. 115.

Ders., Die Währungsfrage in Deutschland, Preuß. Jahrb., LV, S. 295. .

Lexis, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 1910, Kap. VII, VLil. X.

Eine plötzliche Geldentwertung beeinträchtigt alle Klassen, deren
Einkommen mehr oder weniger fest in Geld normiert ist. Das ist
der Fall bei den Rentiers, die ihre festen Zinsen beziehen und
natürlich darunter leiden, wenn dieselbe Summe nicht mehr die gleiche
Kaufkraft hat, so daß sie nicht mehr so gut davon leben können
&8. bisher. Ebenso stehen die Verpächter eines Gutes, die Vermieter
eines Hauses da, wenn die Miete für längere Frist fest bestimmt ist.
[n der gleichen Lage befinden sich auch die Beamten, deren Gehalt
noch eine lange Zeit dieselbe Höhe zu behalten pflegt, auch wenn die
Kaufkraft desselben wesentlich gesunken ist. Dasselbe ist von den
Arbeitern zu sagen..“,.Man weiß, welche schweren Kämpfe es den Ar-
beiter kostet, eine Lohnerhöhung durchzusetzen, und es ist eine Tat-
sache, daß bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts die Löhne ein
halbes, ja ein ganzes Jahrhundert und darüber in vielen Branchen
und Gegenden so gut wie unverändert geblieben sind, obgleich die
Preise aller Lebensbedingungen inzwischen nicht unbedeutend ge-
stiegen waren. so daß der Arbeiter bei demselben Lohne erheblich

Jena

Folgen der
Geldentwer-
tung.
1 AA “