28

Folgen einer
Verteuerung
des Geldes.

Schlechter stand als früher. Durch die allgemeine ‚Preissteigerung
gewinnt dagegen vor allen Dingen der Landwirt, /der noch lang®
Zeit hindurch dieselben Löhne und die gleichen Zinsen zahlt, während
seine Einnahmen erheblich steigen. Muß er auch seine eigenen Be-
dürfnisse höher bezahlen, so fällt dieses doch yiel weniger. ins Ge-
wicht als die Steigerung der Preise. seiner Produkte. Er verkauft
Vie) mehr als er kauft, Aus der Differenz hat er die Löhne zu zahlen,
die Verzinsung des angelegten Kapitals zu bestreiten. Eben darauf
beruhte das gewaltige Aufblühen der Landwirtschaft in den 50 Jahren
von 1825—1875 und in diesem Jahrhundert, Auch die Industriellen und
Kaufleute stehen sich in solchen Zeiten gut, bis die Löhne gestiegen
sind, und die zunächst niedrig gebliebenen Herstellungskosten allmäh-
lich mit den gesteigerten Warenpreisen in Harmonie gesetzt sind.
Durch die Erwartung einer weiteren Steigerung der Preise ist die
Spekulation animiert, man arbeitet nicht nur für den unmittelbaren
Bedarf, sondern darüber hinaus, und die Kaufmannschaft ist geneigt,
Einkäufe auf Vorrat, Bestellungen für die Zukunft zu machen und
zute Preise zu bieten. In solchen Zeiten ist das ganze wirtschaftliche
Leben besonders angeregt und die produktive Klasse in günstiger Lage.

Die Steigerung der Warenpreise, allmählich auch der Löhne regt
zu erhöhter Tätigkeit an, der gesteigerte Erwerb hebt die ganzen
Lebensansprüche und fördert die Kultur. Die erweiterte Nachfrage
nach Waren erstreckt sich nicht gleichmäßig auf alle Güter. Einige
werden vernachlässigt, andere in einem höheren Maße begehrt, und
dieses bewirkt erhebliche Verschiebungen in der Industrie und auch
in den Einkommensverhältnissen, die sich erst allmählich wieder aus-
gleichen können. Steigen die Löhne der unteren Klassen und damit
die Kaufkraft derselben, so erhöht sich nicht die Nachfrage nach
Kartoffeln oder Getreide, sondern in höherem Maße nach Fleisch,
vielleicht nach alkoholischen Getränken; jedenfalls nach Produkten
der Textilindustrie, aber auch wohl weniger nach den gewöhnlichen
Baumwollstoffen, als nach schönerer, feinerer Qualität von Leinen-
oder Wollenzeugen. Doch kann der Aufschwung gewisser Gewerbs-
kategorien auch zur Verbesserung der Lage der Arbeiter durch die
erweiterte Nachfrage nach Arbeitskräften verhelfen, die namentlich
in der neueren Zeit leicht zu einer Lohnerhöhung führt, und dies be-
einflußt wieder die Nachfrage derselben nach ihren Bedarfsartikeln.
Die Erhöhung der Preise, d. h. die Erniedrigung des Geldwertes wirkt
daher sehr ungleich und in schwer zu berechnender Weise, Ist die
Entwicklung dann zum Stillstand gelangt, so gleichen sich im Laufe
ler Zeit die Verhältnisse wieder aus, und die Wirtschaftsverhältnisse
zehen in ruhigem Geleise weiter.

Kine Verteuerung des Geldes oder, was dasselbe ist, eine all-
meine Preisreduktion hat naturgemäß die entgegengesetzte Wirkung.
Es leidet darunter der selbst wirtschaftende Landwirt, der Pächter
wie der Grundbesitzer, Sie haben die gleiche Pacht zu zahlen, resp.
die gleiche Verzinsung der Hypotheken zu bewirken, dieselben Löhne
zu zahlen, während sie für ihre Produkte geringere Einnahmen haben.
Es ist die Zeit der wirtschaftlichen Depression, die den Landwirt
am härtesten trifft, wie das seit Mitte der siebziger Jahre in ganz
Europa zu beobachten war. Eine große Zahl der Landwirte ist nicht
imstande, ihren Verpflichtungen nachzukommen, sie verfallen der
Subhastation, der Grundwert geht zurück, worunter auch die Hypo-