der damaligen Zeit und dem unbedeutenden Geldverkehr, namentlich
bei der Landbevölkerung mußte dieses Quantum einen erheblichen
Druck auf den Goldwert ausüben. Die Gesamtproduktion an Silber
schätzt Soetbeer für die Zeit von 1501—1534 auf 460 Mill. M. in
Amerika und Europa zusammen, in den 15 Jahren von 1545—1560
allein auf 740 Mill, von 1561—1580 auf 920 Mill, 1581—1600 auf
1220 Mill. Bis in die Mitte des folgenden Jahrhunderts blieb sich
dann die Produktion ungefähr gleich. Es ist aber aus den Angaben
ersichtlich, wie außerordentlich schnell in der ersten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts die Produktion an Silber zugenommen hat und mit der des
Goldes gemeinsam einen erheblichen Druck auf den Wert des Edel-
metalles ausgeübt haben muß, so daß dieser in dem 17. Jahrhundert
gegenüber der Zeit yon 1300—1500 mindestens auf die Hälfte gesunken
ist und gegenüber der Zeit von 1750—1850 etwa wie 1.5 zu 1 an-
genommen werden kann.

Infolge der Entdeckung der Goldlager in Kalifornien nahm nun
zeit 1848 die Goldproduktion der Welt in außerordentlicher Weise zu.
War die jährliche Produktion in der ersten Hälfte des letzten Jahr-
hunderts etwa 23700 Kilo Gold gewesen, so veranschlagt man sie
in der Zeit von 1851—1880 auf 187000 Kilo, sie hat sich also ver-
achtfacht; in den letzten Jahren betrug sie dagegen etwa 700000
Kilo. Zu gleicher Zeit nahm auch die Produktion an Silber erheb-
lich zu, die aber doch bis 1880 nur ungefähr eine Verdoppelung
erfuhr, bis 1910/13 dann eine Vervierfachung. Dies hätte unzweifel-
haft eine gewaltige Entwertung der Edelmetalle herbeiführen müssen,
zumal zu gleicher Zeit der Umsatz auf Grund des Kredites und
die Anwendung der Geldsurrogate vermittels der Banken eine große
Ausbreitung gewannen, wenn nicht in jener Zeit der Weltverkehr
eine wesentliche Erweiterung erfahren hätte, und die rapide Zunahme
der Bevölkerung und noch in höherem Maße des ganzen Wohlstandes
dem entgegengewirkt hätte. Besonders erheblich war der Abfluß an
Silber nach dem Orient, indem die von dort bezogenen Waren, aus
China Tee und Seide, aus Indien Gewürze, Reiz, Indigo usw. in der
Hauptsache mit klingender Münze bezahlt werden mußten, die dort in
ausgedehntem Maße zur Thesaurierung in den Tempeln, dann in den
Händen der Fürsten benutzt wurde und dadurch aus dem Verkehre
verschwand, weil vor allen Dingen China sich gegen die Einfuhr
europäischer Waren verschloß, die bei der geringen Kaufkraft der
Bevölkerung in Indien von selbst unterblieb. Während bis dahin fast
nur Silber nach dem Orient floß, wurde in neuerer Zeit allmählich
dort auch Gold aufgenommen. So blieb die bedeutende Vermehrung
des Vorrates an Gold in Europa ohne nachweisbaren Einfluß auf den
Wert des Goldes wie des Geldes. Von größerer Bedeutung war es
natürlich, daß der stärkere Zufluß an Gold auch Veranlassung wurde
zu erweiterter Anwendung desselben zu Münzzwecken, dann insbe-
sondere in der Industrie. In der letzteren Beziehung ist die Nachfrage
naturgemäß außerordentlich dehnbar, weil das Streben nach dem Be-
sitz jenes blinkenden Edelmetalls ein allgemeines ist. Jede Hebung
jes Wohlstandes schließt deshalb auch eine entsprechende Erweiterung
lieser Verwendung ein, und man kann in unserer Zeit verfolgen, wie auch
die unteren Klassen von Jahr zu Jahr mehr Gebrauch davon machen, Die
Gesamtverwendung an Gold für gewerbliche Zwecke belief sich nach
Soetbeer in der zivilisierten Welt 1831—1850 auf 19000 Kilo, 1897

19. Jahrhundert.