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Die neuere
Zeit.

Ursachen der

jeuesten Geld-

wertverände-
Tune.

(nach Haupt) auf 98000, 1905 (nach dem Bericht des amerik, Director
of the Mint) auf 128000 Kilo, sie ist also auf mehr als das Sechsfache in
70Jahren gestiegen und hat sich seit den sechziger Jahren fast vervierfacht.

Infolge der oben erwähnten Tatsachen war die Wirkung des
starken Goldzuflusses derartig abgeschwächt, daß eine Herabdrückung
des Goldwertes dadurch nicht nachweisbar ist, und es ist dieses
zugleich als ein Beweis dafür hervorzuheben, daß gegenüber dem
yewaltigen Vorrat an Gold die Neuproduktion nur einen unbedeutenden
Einfiuß auszuüben vermag.

Von 1875—1904 war nun allgemein das Preisniveau im Engros-
verkehre mehr und mehr herabgedrückt, mit anderen Worten, der
Geldwert war gestiegen, und zwar in einem erheblichen Maße, so daß
die Einwirkung auf die ganze Volkswirtschaft eine bedeutende war.
Die Untersuchung für 45 Waren in England ergab das Preisverhältnis
des Durchschnittes von 1867—77 gegenüber 1888-—-97 wie 100: 67,
1899 bis 1908: 100 zu 72 von 1909—18: 100 :81; nach den Hamburger
Preisen von 1847—80 zu 1891—1900 wie 100 zu 845; zu 1901—05
wie 100: 76,05, zu 1906—10 100 : 83,08.

Worauf war diese Veränderung des Geldwertes zurückzuführen?
Zunächst war man der Ansicht, daß es sich in der Zeit von 1875—90
um eine Verteuerung des Goldes handle. Und diese Auffassung hatte
nach der Statistik zunächst außerordentlich Vieles für sich, denn es er-
yab sich, daß gerade in jener Zeit die Jährliche Produktion an Gold nicht
wie bisher zu-, sondern abgenommen hatte. Von 1851—80 wurde dieselbe
auf 187000 Kilo pro Jahr veranschlagt, von 1881—90 auf nur 156000,
während in derselben Zeit der Verbrauch für Münzprägung und für
industrielle Zwecke fortdauernd gestiegen war. Da zu gleicher Zeit
sich in den Banken Europas, namentlich in England und Deutschland,
ein Goldmangel herausstellte, der in häufigem Steigen des Diskonts
zum Ausdruck kam, durch den die Banken ihren Geldvorrat zu ver-
teidigen suchten, so lag die Schlußfolgerung nahe, daß eine allgemeine
Goldknappheit infolge der geringeren Produktion vorläge, die zu
einer Verteuerung des Goldes geführt habe. MFreilich konnte dem
gegenüber sofort eingewendet werden, daß die erwähnte Preisstatistik
sich fast nur auf Rohmaterial und Engrospreise bezog, während die
Detailpreise nicht in dem gleichen Maße zurückgegangen waren, ja
die Löhne sogar in der gleichen Zeit einen nicht unerheblichen Auf-
schwung genommen hatten.

Die ganze Annahme ist aber durch die Erscheinung der späteren
Jahre nachdrücklichst widerlegt, weil seit jener Zeit die Goldproduktion
einen enormen Aufschwung genommen hat. Schon 1891—95 war die
Produktion auf ca. 230000 Kilo gestiegen und erreichte bis 1898 eine
Höhe von 430000, 1904 von 522000 Kilo. Sie hatte sich also seit
den achtziger Jahren mehr als verdreifacht. Gleichwohl ist bis 1904
eine Steigerung des Preisniveaus in kaum merkbarer Weise zutage
getreten. Wenn aber ein Anwachsen der Produktion in wenig Jahren
um 300000 Kilo Gold in solcher Weise spurlos an dem Geldwerte
vorüberging, während in dieser kurzen Zeit erhebliche Veränderungen
in der Nachfrage nach Gold nicht eingetreten sein können, so liegt
der Beweis vor, daß man überhaupt den Einfluß der Edelmetall-
produktion auf den Geldwert überschätzt hat, und ganz unmöglich der
unbedeutende Rückgang der Produktion um 30000 Kilo in den 80 er
Jahren einen so tiefgreifenden Einfluß auf die Preisverhältnisse ge-