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Schon im Altertume sind Schwankungen in dem Wertverhältnis nach-
zuweisen. Im babylonischen Reiche ist schon etwa 2000 Jahre vor
Chr. und vor der Geldprägung das Wertverhältnis von Gold und
Silber wie 3:40 festgesetzt. Unter Darius war das Wertverhältnis
der Gold- und Silbermünzen wie 1:13, daneben waren Münzen im
Umlauf, welche aus einer Mischung von Gold und Silber, Elektron
genannt, hergestellt waren, welches das Verhältnis wie 1:10 zeigte.
Auch im alten Rom ist das Verhältnis zeitweise wie 1: 10, zeitweise
wie 1:14 gewesen. Bis zum Beginn unserer Zeitrechnung scheint
dasselbe zwischen 1:10 und 1:14 geschwankt zu haben.

Zur karolingischen Zeit ist als Minimum 1:12 anzunehmen. In
der ersten Zeit des fränkischen Reiches verschob es sich zu 1:10, im
letzten Drittel des 6. Jahrhunderts war es wie 1: 14, in dem späteren
Mittelalter sind die Angaben sehr unsicher. Ludwig der Heilige ak-
zeptierte bei seiner Münzprägung das Verhältnis wie 1: 12,2, das sich
sine lange Zeit sehr allgemein so gehalten zu haben scheint. Für
Ende des 15. Jahrhunderts wird es wie 1:11 angenommen. Nach
Rechnungen, die aus der deutschen Ordenszeit überliefert sind, läßt sich
ein Verhältnis zeitweise wie 1:9, zeitweise wie 1:12 berechnen. In
dem Augsburger Reichsabschied von 1568 wurde es auf 1: 11,55 fest-
gesetzt. Soetbeer berechnete das Wertverhältnis in Süddeutsch-
land für das Jahr 1601 auf 1:11,86, 1605 12,02, 1624 13,42, 1631
13,42, 1680 15,1. Auch für Frankreich und England sind für jene Zeit
ähnliche Schwankungen zu konstatieren. Nach den Hamburger Kurs-
zetteln hat derselbe Autor für die Zeit von 1691—1830 die folgende
interessante Zusammenstellung geliefert:

Neuere Zeit.

Max. Min,

L691— 1700 15,20 14,81
L701—1710 VA '5,07
"711—1720 6,21 A,04
721-1730 DS 4,81
"31—1740 ‚5,41 „91
41—1750 .D,26 4.80
ul—1760 14,94 4.14
61—1770 :5,27 ‚4,54
71—1780 4,80 14,53
«„E1—1 20 15,04 14,42
‚91—180) 15,74 15,00
801—1810 16.08 15,26
‚811—1820 16.25 15,11
‚821—1830 15,95 15.70

Jahre
Durchschn.

14,96

0,27
5,15
‚5,09
15,07

4,93

4.56
‚4,81
14 64
14,76
15,42
15,60
15,51
15.60
In der neueren Zeit ist der englische Markt für die Bestimmung
des Wertes des Edelmetalles für die ganze Welt maßgebend. Dort
war das Wertverhältnis von 1801—50 wie 1: 15,65. Die weitere
Entwicklung geben wir in der folgenden Tabelle.

(Siehe die Tabelle auf nächster Seite.)

Die vorstehenden Zahlen lassen ersehen, daß, soweit wir die his-
torische Entwicklung zurück verfolgen können, wenn auch unter viel-
iachen Schwankungen, das Silber allmählich eine immer größere Ent-
wertung erfahren hat. In dem 18. und in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts war das Wertverhältnis ziemlich konstant 1:15 bis
1:15,6. Mitte der siebziger Jahre begann dann ein bedeutendes
Sinken des Silberwertes von 60 Pence pro Unze bis auf 27 Pence im
Jahre 1899, während er zeitweise sogar bis unter 24 Pence heraunter-