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Zwecke bei dem Golde bis in die neunziger Jahre viel mehr wuchs
als bei dem Silber.

Aus allem mußte sich ergeben, daß das Verhältnis zwischen Gold
und Silber sich mehr und mehr zuungunsten des letzteren verschob,
und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch ohne eine Ver-
änderung in den Währungsverhältnissen das Silber in den 80er und
90er Jahren eine Entwertung erfahren haben würde, Gegenüber der
gewaltigen Produktion spielte der Bedarf an Münzmetall keine durch-
greifende Rolle mehr, so daß auch die Aufrechterhaltung der freien
Ausprägung in Frankreich, ja selbst die Ausdehnung des Bimetallis-
mus auf andere Länder keinen anderen Einfluß ausgeübt haben würde,
als den Ersatz der Goldmünze durch Silbermünze, was in wenig
Jahren geschehen sein würde, worauf ein weiterer Einfluß auf das
Wertverhältnis der Metalle natürlich ausgeschlossen gewesen wäre.
Wie sich das Wertverhältnis in der nächsten Zukunft gestalten wird,
hängt durchaus von der weiteren Entwicklung der Edelmetallproduktion
ab, die einstweilen nicht mit Bestimmtheit vorauszusehen ist.

8 33.
Die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Silber-
entwertung.
Welches sind nun die volkswirtschaftlichen Folgen, die eine solche
Entwertung des Silbers, wie sie in der neueren Zeit stattgefunden
hat, auszuüben vermag, und welche Folgen lassen sich in der neueren
Zeit konstatieren?

1. In erster Linie kommt der Einfluß auf die Münzzirkulation in Terlust durch
Betracht. Ein Land, welches in großer Ausdehnung Silbermünzen Silberwertes.
als gesetzliches Zahlungsmittel im Umlaufe hat, kommt dadurch. in
eine äußerst prekäre Lage. Das gesetzliche Zahlungsmittel. wird in
der Hauptsache Kreditgeld, der Wert desselben beruht nicht auf dem
Metallgehalt, sondern auf dem Kredit des Staates, resp. auf dem Ver-
trauen in die dauernde Absatzfähigkeit des Geldes. In dieser Lage be-
finden sich Frankreich, ferner vor allen Dingen Indien und Mexiko.

Der Schaden für das betreffende Land, welches in großer Aus-
dehnung Silber im Umlauf hat, liegt auf der Hand. Frankreich
und die Nordamerikanische Union, welche einen Silbervorrat
von je über 2 Milliarden Mark teils in Zirkulation befindlich, teils
aufgespeichert haben, erfahren durch die Entwertung desselben eine
Einbuße von je einer Milliarde. Auch Deutschland hatte bei dem
Verkauf des überschüssigen Silbers schon in den 70er Jahren einen
Verlust von über 70 Millionen erlitten, und auch da ist noch die
Einbuße durch die Entwertung des vorhandenen Silberumlaufs von
rund einer Milliarde Mark hinzuzurechnen; aber der damit verbundene
Verlust steht doch weit zurück hinter der Einbuße, welche ein Land
durch mehrjährige Mißernten oder einen allgemeinen Rückgang der
Eisen- und Kohlenpreise erfährt. Solange die Münze nicht einge-
schmolzen und als Silber an das Ausland verkauft wird, merkt
Niemand etwas von dem Verlust. Er wird deshalb tatsächlich in
seiner Vvolkswirtschaftlichen Bedeutung gewaltig überschätzt. In
einem höheren Maße fällt die Entwertung des gesetzlichen Zahlungs-
mittels in das Gewicht, wo Silberwährung vorliegt, gegenüber dem