— 102 —

Auslande, wo Goldwährung besteht. Wo das Silber eine große Be-
deutung hat, wie in Frankreich wird dieses seine außerordentlichen
Bedenken haben. Es liegt dann die Gefahr vor, daß im Falle eines
Krieges Schwierigkeiten in dem Absatz desselben entstehen, die andere
Münze Agio erzielt und, wenn dieselbe in zu geringen Quantitäten
vorhanden ist, sich empfindliche Zahlungsstockungen entwickeln. Als
in Deutschland noch Ende der 70er Jahre für etwa eine halbe Milliarde
Mark Taler im Umlanf waren, blieb dies zwar ein mißlicher Umstand,
der aber zu ernsten Bedenken einen Anlaß nicht geben konnte, weil
sie nur einen kleinen Teil des gesamten Umlaufs an klingender Münze
ausmachten und die Zahlungen an die Staatskassen, der Post, Kisen-
bahn, des Steuerfiskus so bedeutende sind, daß dadurch zu jeder Zeit
die Absatzfähigkeit zu vollem Werte gewährleistet war. Seitdem
hatte sich der Vorrat an Talern nach den offiziellen Angaben schon
Mitte der 90er Jahre auf zirka 360 Millionen Mark vermindert, und
dieses ist nun nach dem Gesetz von 1900 durch erweiterte Aus-
prägung der Silberscheidemünze und durch Einschmelzung des Restes
und Verkauf des Silbers beseitigt worden. Nach dieser Richtung
hat mithin für Deutschland das Sinken des Silberwertes keine Be-
deutung. Dagegen leidet England erheblich unter der Entwertung
der Silberrupien in Indien. Dieser entsprechend ist die Steuer- wie
die Zinszahlung aus Indien vermindert.

2. Die Länder, welche ausgedehnte Silberbergwerke besitzen, er-
leiden natürlich durch eine Verminderung des Wertes des Silbers eine
erhebliche Einbuße. Da zu diesen Ländern in erster Linie die Ver-
einigten Staaten von Amerika gehören, wo namentlich in den reichen
Silberwerken von Nevada eine wesentliche Quelle des Wohlstandes
liegt, so ist es nicht zu verwundern, daß gerade dort auch die größte
Energie entfaltet wurde, um den Silberpreis wieder zu heben. In
Deutschland dagegen spielt der Silberbergbau nur eine sehr unter-
geordnete Rolle, zumal das weiße Metall, wie erwähnt, hauptsächlich
als Nebenprodukt gewonnen wird. Die Veränderung des Wertes des
Kupfers oder gar des Eisens fällt ungleich mehr in das Gewicht.
Auch nach dieser Richtung liegt für Deutschlands Volkswirtschaft
kein Grund zu irgend welcher Besorgnis vor.

3. Länder, welche erhebliche Summen in Staaten mit Silber-
währung angelegt haben oder mit diesen in einem regen Handels-
verkehre stehen, werden natürlich durch die Entwertung des Silbers
einen entsprechenden Verlust in der Zinszahlung und in den für die
gelieferten Waren zu zahlenden Kaufsummen erfahren. In dieser Hin-
sicht sind auch Deutschland Verluste nicht erspart, aber einmal sind
die in Silber an Deutschland zu zahlenden Zinsen nicht von großer
Bedeutung, und auf der anderen Seite muß derartige Verluste Jeder
auf sich nehmen, der in ausländischen Papieren seine Gelder anlegt.
Am wenigsten kann es die Aufgabe des Staates sein, für solche Kapi-
talisten irgend welche Garantie zu übernehmen. Handelsbezie-
hungen kommen hier nur mit China, Mexiko und Indien in Betracht,
und der Umsatz mit ihnen ist nur ein geringer gegenüber dem gesamten
internationalen Verkehr. In ganz anderer Weise ist in dieser Be-
ziehung das Britische Reich in Mitleidenschaft gezogen, indem
der überaus rege Handel mit Indien, sowie die sonstigen Zahlungen
von dorther unter den Wertschwankungen des Silbers im höchsten
Maße gelitten haben, so daß man sich 1893 veranlaßt sah. den Wert;