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an, wo das Gold verdrängt, die Silberzirkulation vollständig durch-
geführt, damit also die Aufnahmefähigkeit Frankreichs an Silber er-
schöpft war, mußte jede weitere Wirkung Frankreichs auf dem Silber-
markte aufhören, und bei der stark zunehmenden Produktion wäre
dieser Moment sehr bald eingetreten und damit der weitere Sturz
des Silberpreises unvermeidlich geworden. Die Suspension der Silber-
verkäufe von seiten Deutschlands konnte 1879 einen weiteren Rück-
gang der Silberpreise nicht aufhalten. Sie hat dem Lande nur Ver-
gung bel ]uste gebracht.

in einem | Ebensowenig hat der kolossale Ankauf von Silber durch die Ver-

ande" einigten Staaten von 4'/, Millionen Unzen pro Monat von 1890—1893
den Silberpreis irgendwie gehoben. Wenn nach einer Wahl Bryans
die Amerikanische Union im Jahre 1896 die Silberprägung nach dem
Wertverhältnisse von 1: 16 freigegeben hätte, würde auch nur eine
vorübergehende Erhöhung des Silberwertes erzielt worden sein. Die
Gelegenheit, das der Münze eingelieferte Silber in Form von Silber-
dollars, die mit dem doppelten Werte ausgestattet waren, zurück-
zuerhalten, würde natürlich eine massenhafte Einlieferung des Silbers
bei der Münze herbeigeführt haben, bis nach kurzer Zeit das Land
mit Silber übersättigt gewesen wäre, worauf notwendig die Suspen-
dierung weiterer Ausprägung eingetreten sein würde. Vorher aber
müßte der Handel mit dem Auslande vollständig ins Stocken geraten
sein. Ausländische Ware in Amerika gegen Silberdollars einzuführen,
war natürlich eine Unmöglichkeit, und dieses zu erreichen war auch
der Zweck der dortigen Schutzzöllner. Der Ausfuhr aus Amerika
würde aber das Ausland sehr bald durch besondere Zölle, insbesondere
auf das amerikanische Getreide entgegengetreten sein. Denn es ist
eben unmöglich, auf die Dauer einen einseitigen Handel durchzu-
führen und in großem Maßstabe Waren aus einem Lande zu beziehen,
das nicht wieder Waren als Zahlung in Kauf nimmt, und sich somit
in diesem Falle das Gold unter den ungünstigsten Verhältnissen ent-
ziehen zu lassen. Auch in dem Inlande würde die tatsächliche Ent-
wertung des Silbers, damit eine kolossale Preissteigerung und dann
eine allgemeine Zahlungsstockung die Folge gewesen sein, sobald das
zunächst künstlich im Preise gesteigerte Silber der Entwertung zu
verfallen begonnen hätte.

Würde Deutschland Ende der siebziger, Anfang der achtziger
Jahre dem Drängen der Bimetallisten gefolgt sein und versucht haben,
die Doppelwährung nach dem Verhältnisse wie 1:16 zu akzeptieren,
so würde die einfache Folge gewesen sein, daß man ihm in der
kürzesten Frist seine 2 Milliarden Gold entzogen hätte, indem man
ihm eine Milliarde Silber dafür gegeben hätte. Als Entschädigung
würde dem deutschen Michel ein überreiches Maß wohlverdienten
Spottes von allen Seiten zuteil geworden sein.

Ein einzelnes Land kann nach dem Gesagten heutigen Tages
unmöglich ein von den tatsächlichen Weltpreisen abweichendes Wert-
verhältnis mit der Doppelwährung akzeptieren und die Silberprägung
freigeben, ohne sich selbst im höchsten Maße zu schädigen und für

Währungskon- die Gesamtheit doch nichts zu erreichen.

vo Von welcher Wirkung wäre aber die Vereinigung einer größeren
Zahl von Ländern, resp. der sämtlichen Kulturländer zu einer‘ Wäh-
rungskonvention auf der Basis des Verhältnisses von 1:16? Es ist
dieses ein einfaches Rechenexempel. Der Gesamtwert an Gold,

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