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welcher als Münze und in Barren in der zivilisierten Welt augen-
blicklich zirkuliert, wird auf etwa 19 Milliarden veranschlagt. Die
Silberproduktion betrug in den letzten Jahren etwa eine Milliarde
Mark, ziehen wir davon 250 Millionen für den jährlichen Bedarf
der Industrie und als Ergänzung des Verlustes an der umlaufenden
Münze, sowie 200 Millionen für den Abfluß nach dem Orient usw. in
Abrechnung, so bleiben rund 500 Mill. Mk. an Silber übrig, welche
zur Vermehrung der Silberzirkulation verwendet werden können. In
50—60 Jahren könnte damit das Gold sicher vollständig verdrängt
sein. Wird aber das Wertverhältnis auf 1:16 fixiert, damit also
der Wert des Silbers verdoppelt, so würde wohl schon in der halben
Zeit, sagen wir, um nicht zu niedrig zu greifen, in 40 Jahren die
Uebersättigung an Silber eingetreten sein, die Aufnahmekraft an
Silber durch die Münze hörte auf, und bei der weiteren Fortsetzung
der Produktion im selben Verhältnis müßte ein rapides Sinken des
Silberwertes wiederum auf den gegenwärtigen Stand die Folge sein.
Nach 40, 50 Jahren — was ist aber ein halbes Jahrhundert für die
Volkswirtschaft für eine kurze Frist! — würde also das Silber auf
dem Weltmarkte nur den halben Wert haben als die Silbermünze,
die aus ihm geprägt ist. Man hätte allgemein nur Kreditgeld in
der Hand, ein Zustand, der schwerlich lange Zeit aufrecht zu er-
halten wäre. Die Staaten müßten sich entschließen, wieder mit einer
völligen Münzreform vorzugehen, die wiederum eine vollständige
Preisrevolution in sich schließen würde. Unter den gegenwärtigen
Verhältnissen erscheint daher die Durchführung des Bimetallismus
auf der Grundlage des Verhältnisses wie 1:16 einfach unmöglich.
Durchführbar wäre dagegen der Bimetallismus gegenwärtig durch
eine Vereinigung der zivilisierten Staaten unter Akzeptierung des
Wertverhältnisses, etwa wie 1:34, wie es dem gegenwärtigen Welt-
marktpreis ungefähr entspricht. Ein jeder Ueberschuß an dem einen
oder anderen Metall, welcher das Verhältnis zu modifizieren drohte,
würde nun in das große Bassin des Münzbedarfs der Staaten der
Währungskonvention abgestoßen werden können, und wenn nicht
ganz exzeptionelle Verhältnisse eintreten, würde dadurch das Ver-
hältnis für Dezennien gewahrt werden können. An eine solche Ver-
einigung der verschiedenen in Betracht kommenden Länder ist aber
in der Gegenwart auf keinen Fall zu denken, weil die Interessen
derselben zu weit auseinandergehen. Frankreich und die Vereinigten
Staaten, welche mit Silber übersättigt sind und unter der Silberlast
erheblich leiden, die amerikanische Union mit ihrer bedeutenden
Silberproduktion ganz besonders, haben nur ein Interesse daran, den
Wert des Silbers wieder auf die frühere Höhe emporzubringen, aber
gar kein Interesse, den gegenwärtigen Zustand zu fixieren, wie es
durch die Währungskonvention auf Grundlage des Verhältnisses von
1:34 der Fall wäre. Die Goldwährungsländer, vor allen Dingeu
Deutschland, können wiederum, wie wir sahen, zu keinem anderen
Verhältnis die Doppelwährung akzeptieren, als es den gegenwärtigen
Marktverhältnissen entspricht, weil sie sonst das schwer erkaufte
Gold gegen entwertetes Silber verlieren würden, ohne die Garantie
zu haben, daß das Silber nun auch dauernd den hohen Wert behalten
würde. Vielmehr würden sie das Risiko auf sich nehmen, daß sich
dieses Verhältnis nach einiger Zeit als unhaltbar erwiese, die Wäh-
rungsvereinigung auseinanderfiele, und sie dann genötigt wären,
Conrad, Grundriß der polit. Oekonomie. I. Teil. 8. Aufl. 3

Wertverhältnis
1:34,

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