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gebeutete Schwemmland erzielt werden. Somit war für mehrere De-
zennien die Süßsche Befürchtung aus der Welt geschafft. Sie ist es
aber unzweifelhaft nicht für alle Zeit. Die goldhaltigen Quarzgänge
sind nur von geringer Ausdehnung. Auch für Transvaal ist nur
etwa eine Frist von noch 30 Jahren angenommen, während welcher
die gegenwärtige Produktion aufrecht zu erhalten sein dürfte, und
Süß ist bisher von seinen fachmännischen Kollegen darin nicht
widerlegt, daß nach unserer gegenwärtigen Kenntnis der Erde nicht
viel Aussicht sei, noch viele solche Quarzgänge neu zu entdecken.
Auf der anderen Seite ist diese Möglichkeit aber nicht ausgeschlossen.
So gut wie vor wenig Jahren die reichen Goldlager in Transvaal, in
allerjüngster Zeit solche in Alaska entdeckt wurden, können auch
noch weitere goldhaltige Stätten aufgefunden werden. Aber das ist
ein sehr unsicherer Wechsel auf die Zukunft, mit dem der Staats-
mann nicht rechnen kann. Weit wahrscheinlicher ist es, und diese
Eventualität wird man daher für die weitere Entwicklung unseres
Münzwesens in Aussicht nehmen müssen, daß nach Ablauf eines
halben. oder eines ganzen Jahrhunderts sich in der Tat die von Süß
befürchtete Guldknappheit herausstellt, denn er sagt nicht mit Un-
recht, daß je mehr die Goldproduktion gesteigert werde, um SO
schneller der Vorrat erschöpft werden müßte; und je mehr Länder
zur Goldwährung übergehen, je mehr der allgemeine Wohlstand
steigt. um so größer wird auch die Nachfrage nach Gold, um so aus-
gedehnter der Vorrat, an den sich die Kulturwelt gewöhnt hat, so
daß eine Abnahme der Produktion, ja schon ein Stillstand derselben
einen fühlbaren Mangel herausstellen kann. Nun hat die Erfahrung
der letzten Dezennien, wie wir sahen, ergeben, daß auch erhebliche
Veränderungen in den Produktionsverhältnissen des Goldes den Wert
desselben doch nicht zu verschieben vermögen. Damit ist aber keines-
wegs ausgeschlossen, daß nicht bei intensiveren Verschiebungen der
Produktionsverhältnisse in der Zukunft dieses schließlıch doch ge-
zchehen wird. Mit anderen Worten, die augenblicklich beschwichtigten
Bedenken in betreff einer Goldverteuerung sind nicht für alle Zeit
beseitigt, sondern sie bestehen für die Zukunft, und bei dem Eintritt
gines solchen Falles wird allerdings der Bimetallismus das alleinige
Mittel sein, um den Wertschwankungen des Geldes zu steuern, min-
destens die Wirkung derselben zu mildern. I
Die Möglichkeit der praktischen Durchführung bei Anpassung Reel
des gesetzlichen Wertverhältnisses an die faktischen Zustände suchten mus in der
wir darzulegen, und die Geschichte hat den Beweis geliefert, daß ;
wenigstens in früheren Zeiten eine solche Bindung sich lange Zeit
hindurch zu erhalten vermochte. Das wird im Auge behalten werden
müssen. Gelingt es also, den Geldwert nicht nur auf ein Metall,
sondern auf zwei Metalle zu basieren, die sich gegenseitig zu Eer-
gänzen vermögen, so wird die Kaufkraft beider Metalle sicher eine
größere Gleichmäßigkeit erlangen können, als sie bei der Basis eines
einzigen Metalles zu erwarten steht. Das vielfach angewendete
Bild der zwei Säulen als Grundlage für einen Aufbau gegenüber
einer einzigen Säule wird als zutreffend anzuerkennen sein. Ebenso
ein anderes Bild’ Können sich in einer internationalen Vereinigung
die beiden Metalle entsprechend ersetzen und ergänzen, wie die
Flüssigkeiten zweier miteinander verbundenen Bassins, bei denen der
Zufluß bald in das eine, bald in das andere stärker läuft, während
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