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a Die Formen der Familie und die Formen der Wirtschaft. Frei-
burg 1896.
Lamprecht, Zur jüngsten deutschen Vergangenheit, zweiter Ergänzungsband
zur deutschen Geschichte. Freiburg 1906,

v. Below, Wirtschaftsstufen, in Elsters Wörterbuch der Volkswirtschaft. 2. Aufl.
Bd. II S. 1330.

Ders., Ueber Theorien der wirtsch. Entwicklung der Völker, Histor. Zeitschr.
LXXXVI.

W. Mitscherlich, Der wirtsch. Fortschritt, sein Verlauf und Wesen. Leipzig 1910.
Die Entwicklungsgeschichte der Volkswirtschaft in verschiedene
Phasen zu zerlegen, ist schon von mehreren Seiten versucht. Am be-
kanntesten ist die Einteilung von Friedrich List, der folgende
wirtschaftliche Entwicklungsstufen der Menschheit annimmt: 1. die
Stufe der Jagd und Fischerei, 2. des Hirtenlebens, 3. des Ackerbaues,
4. die Agrikultur-Manufakturperiode, und 5. die Agrikultur-Manufaktur-
Handelsperiode. Die erste ist die Zeit, wo der Mensch sich noch
wenig von dem Tiere unterscheidet, der Zustand der Wildheit, wo
seine wirtschaftliche Tätigkeit eine rein okkupatorische ist. In der
zweiten sucht er die Tiere zu Haustieren heranzuziehen und dauernd
seinen Zwecken nutzbar zu machen, wie das besonders in dem
Nomadentume zutage tritt. Aber das Hirtenleben kann sich auch
auf einer bestimmten Scholle entwickeln, wie das in Deutschland
unzweifelhaft der Fall gewesen ist. Ein wesentlicher Fortschritt liegt
dann in dem Uebergange zum Ackerbau, der sich natürlich außer-
ordentlich langsam erst zu höherer Leistung entwickelt, aber dem
Fortschritte einen großen Spielraum einräumt. Nach List soll das
ackerbauende Volk allmählich durch eingeführte Manufakturen zu
höheren Lebensansprüchen gebracht, zu anderer Tätigkeit angeregt
und damit genügend gehoben werden, um sich zur vierten Stufe zu
erheben, wo sich die stoffveredelnden Gewerbe entwickeln, um
unter Ausbildung der Arbeitsteilung im Lande selbst den Bedarf
an Manufakturen zu befriedigen. Auf dieser Stufe ist nach ihm zu
seiner Zeit, Anfang der 40er Jahre, Deutschland gewesen, während
nur das britische Reich sich schon auf die höchste Stufe empor-
geschwungen hatte, wo noch der Handel hinzutritt, um die Industrie
für den Export arbeiten zu lassen, und damit zur internationalen
Arbeitsteilung überzugehen. Es ist klar, daß von einer Volkswirtschaft
überhaupt erst in den beiden letzten Listschen Perioden gesprochen
werden kann. Die Abscheidung, wie er sie vornimmt, entspricht aber
nicht den historischen Tatsachen. Nicht einmal das britische Reich,
welches er hauptsächlich im Auge hat, zeigt diesen Entwicklungsgang.
Der Ackerbau ist sicher oft mit dem Hirtenleben Hand in Hand ge-
gangen, und der Handel trat vielfach unmittelbar befruchtend hinzu,
bevor sich eine heimische Industrie von Bedeutung entwickelt hatte.
Man braucht nur an die Phönizier im Altertum und an Karthago zu
denken. In England bildete sich schon seit Cromwell der Handel
mit Rapidität aus, und erst darauf gewann auch die Industrie einen
Aufschwung. Holland ist ein überwiegend merkantiles Land gewesen,
also ohne es jemals zu einem Agrar-Manufakturstaat zu bringen, und
die Industrie hat niemals eine entsprechende Bedeutung daselbst ge-
wonnen. Als richtig ist aber anzuerkennen, daß erst dann ein Land
zu hoher Ausbildung der Volkswirtschaft gelangen kann, wenn jene
drei großen Produktionszweige zur Blüte gebracht sind und sich
gegenseitig befruchten.

Conrad, Grundriß der polit. Oekonomie. I. Teil. 8. Aufl.

Fr, List.