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Bücher.

Von Interesse ist dann die von Bücher aufgestellte Entwick-
lungsfolge. 1. Die Stufe der geschlossenen Hauswirtschaft (reine
Eigenproduktion, tauschlose Wirtschaft), auf welcher die Güter in
derselben Wirtschaft verbraucht werden, in der sie entstanden sind.

2. Die Stufe der Stadtwirtschaft (Kundenproduktion oder Stufe
des direkten Austausches), auf welcher die Güter aus der produ-
zierenden Wirtschaft unmittelbar in die konsumierende übergehen.

3. Die Stufe der Volkswirtschaft (Warenproduktion, Stufe des
Güterumlaufes), auf welcher die Güter in der Regel eine Reihe von
Wirtschaften passieren müssen, ehe sie zum Verbrauch gelangen,

Auf der ersten Stufe wird der Bedarf durch die Arbeit der
Familienangehörigen selbst gedeckt. Der Tausch tritt zunächst nur
vereinzelt auf. Die ganze wirtschaftliche Tätigkeit ist bestimmt
durch die lokalen Verhältnisse, wodurch schon früh eine gewisse Ar-
beitsteilung herbeigeführt wird, die aber nur eine untergeordnete Rolle
spielt. Sie ist innerhalb der Familie zwischen den Geschlechtern auf
primitivster Stufe der Kultur durchgeführt, dann später erweitert
durch die Hinzuziehung der Sklaven und Hörigen. Es ist also der
Zustand primitiver Kultur, wie er ursprünglich überall als Ausgangs-
punkt anzusehen ist, nur geht Bücher wesentlich zu weit, wenn er
diesen Zustand in dem ganzen Altertum noch vorzufinden glaubt und
ihn ebenso bis in das vorgerückte Mittelalter hinein voraussetzt.

In der zweiten Stufe nimmt er die Stadtwirtschaft an, wo bereits
die Arbeitsteilung sich erweitert hat, und ein großer Teil des Konsums
vor allem der Stadt aus der Umgegend bezogen wird, während diese
wiederum die Produkte städtischer Arbeit für sich in Anspruch nimmt.
Der Kleinhandel spielt schon eine erhebliche Rolle innerhalb des zum
städtischen Gebiete gehörigen Territoriums, der Großhandel dagegen
ausschließlich als Wander-, Markt- oder Meßhandel. Das sind Ver-
hältnisse, wie sie sich am Ende des Mittelalters in Deutschland wohl
nachweisen lassen.

Die dritte volkswirtschaftliche Stufe liegt nach Bücher vor, wo
sich Staaten mit größeren Territorien ausgebildet haben, und in den
mehr abgeschlossenen Staatswirtschaften sich innerhalb des Landes
ein allgemeiner Austausch und weitgehende Arbeitsteilung auszubilden
vermochten, um damit die Wirtschaft eines ganzen Volkes zu ent-
wickeln, welches gemeinsam für den gesamten Bedarf arbeitet. Auf der
dritten Stufe bildet sich immer mehr eine Arbeitszerlegung der ein-
zelnen Unternehmungen aus, die Halbfabrikation schiebt sich ein, und
die einzelnen Geschäfte gelangen untereinander in Handelsbeziehungen.
Der Handel tritt als Zwischenglied ein, und das Verkehrsgewerbe
gewinnt an Bedeutung. „Die Länge des Weges, welche die Güter
vom Produzenten zum Konsumenten zurücklegen“, wird als das
Charakteristische für jene Epoche hingestellt. In dieser Weise lassen
sich wohl verschiedene Phasen unterscheiden. Indessen verschwindet
das Zwischenglied, wie es Bücher einschiebt, bei näherer Betrachtung
gegenüber den anderen beiden zu sehr in der zeitlichen Bedeutung
und als allgemeine historische Tatsache.

Sombart schließt sich in der Hauptsache Bücher an, und, obwohl
er ihn scharf angreift. gebraucht er nur andere Worte. Er scheidet
1. Individualwirtschaft, mit Produktion für den eigenen Konsum
(Hauswirtschaft), 2. Uebergangswirtschaft oder Gesellschaftswirtschaft
niederer Ordnung unter „Trennung von Konsumtions- und Produktions-