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wirtschaft“, die er dann selbst als „Stadtwirtschaft“ zu bezeichnen
genötigt ist. 3. Gesellschaftswirtschaft, d. i. eben Volkswirtschaft.
Die beıden letzteren faßt er auch als „Erwerbswirtschaften“ zusammen,
welche er der „Bedarfsdeckungswirtschaft“ gegenüberstellt, wobei
aber zweckmäßig die Stadtwirtschaft als Uebergangswirtschaft da-
zwischen zu schieben wäre, wo noch ebensoviel für den eigenen Be-
darf als für den Erwerb gearbeitet wird. Seiner weiteren vierfachen
Scheidung, je nachdem eigener oder fremder Bedarf mit eigener oder
fremder Arbeit gedeckt wird, legen wir keinen Wert bei, sie tut den
Tatsachen zu großen Zwang an und kommt zu falschem Ergebnis.
Das Handwerk ist auch eine Unternehmung und arbeitet so gut mit
fremder Arbeitskraft für fremden Bedarf wie der moderne Fabrikant,
der ebenso selbst arbeitet wie der Meister, Solche Schablone mit
willkürlicher Ausdrucksweise dürfte mehr zur Verwirrung als zur
Klärung der Anschauungen beitragen.

Schon vor Bücher hat Schmoller eine eigene Aufstellung der
Entwicklungsphasen menschlicher Kultur versucht, die er in seinem
Grundriß weiter ausgeführt und begründet hat, und die sich mit der
von Bücher berührt, Er sagt darüber II. S. 666: „Der Grundgedanke
unserer Volkswirtschaftslehre ist der, daß das Wirtschaftsleben der
Menschheit sich vollzieht in einer Summe von politisch-gesellschatt-
lichen Körpern, die teils neben-, teils nacheinander als Einheiten sich
unserem Blicke darstellen. Jeder dieser Körper erhält für unsere
Vorstellung seine Einheit wohl auch durch Gebiet und Grenzen, durch
die jeweilige Technik und Aehnliches, aber doch in erster Linie durch
die Blut- und geistige Einheit, durch die Vergesellschaftung der Be-
teiligten, als deren sichtbare Symptome: Rasse, Sitte, Recht, Moral
und Religion, dann und hauptsächlich politische und volkswirtschaft-
liche Institutionen erscheinen.“

Er sieht den Entwicklungsprozeß des Menschen in der Ausbildung
größerer wirtschaftlicher Fähigkeiten und Tugenden und in der Her-
stellung größerer und komplizierterer, immer besser eingerichteter
sozialer Wirtschaftsorgane und -gemeinschaften. Für die Entwicklung
sucht er bestimmte Etappen aufzustellen. In der ersten Phase tritt
die Menschheit in kleinen Horden und Stämmen gegliedert auf, ohne
feste Verknüpfung mit dem Boden, daher leicht zerfallend. Aus ihnen
bildeten sich bei höher stehenden Stämmen starke kriegerische Or-
yanisationen, welche die Grundlage für die ersten Gemeinwesen und
Staaten wurden, wie sie sich im klassischen Altertume und der
neueren indogermanischen Geschichte zeigen. Die weitere Entwick-
lungsphase zerlegt er in folgende Abschnitte: 1. Die Epoche der
agrarischen Eigenwirtschaft und des Stammeslebens (bis in das 10.
and 11. Jahrhundert); 2. die Epoche der Stadtwirtschaft und der
stadtwirtschaftlichen Gebiete (vom 12.—16. Jahrhundert); 3. der Mittel-
und Territorialstaaten (vom 14. - 18. Jahrhundert); 4. der größeren
nationalen Staaten- und Volkswirtschaftsbildung (vom 16.—19. ‚Jahr-
hundert); 5. die Epoche der neuen Weltstaaten und der vordringenden
weltwirtschaftlichen Beziehungen.

v. Philippovich scheidet in seinem Grundriß der politischen
Oekonomie einmal wie Bücher die geschlossene Hauswirtschaft als
örste Wirtschaftsstufe aus, welcher er die Verkehrswirtschaft gegen-
überstellt, In dieser unterscheidet er: 1. Die Periode des lokal-
zebundenen Verkehrs (Stadtwirtschaft), welche in Deutschland zur

a*

Schmoller,

Philipnovich.