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Geldwirtschaft. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse unter der Herrschaft
der Geldwirtschaft.

l. In dem Gelde gewinnt die Bevölkerung ein vorzügliches
Sparmittel, in welches alle Ueberschüsse der Wirtschaft umgesetzt
und als Reserve aufgesammelt werden können; dadurch ist die Mög-
lichkeit geboten, einen Ausgleich zwischen Ueberfluß und Mangel
herbeizuführen. Die Produktion wie die Konsumtion erlangen eine
größere Gleichmäßigkeit, die überaus wohltätig wirkt. Die Vorsorge
für die Zukunft beherrscht in bedeutsamer Weise das ganze wirt-
schaftliche Leben.

2. Da der Nutzen des Sparens in jedem Momente zur Geltung
kommt, wird durch das Geld eine intensive Anregung zum Arbeiten
über den augenblicklichen Bedarf gegeben, und damit die Steigerung
des Volkswohlstandes in besonderer Weise angebahnt.

3. Die herrschende Klasse 1äßt sich die ihr gebührenden Abgaben
immer mehr in Geld bezahlen, um damit im Bezuge des Bedarfes un-
abhängiger zu sein. Dadurch gewinnt der Arbeiter seinerseits eine
größere Unabhängigkeit und freie Verwertbarkeit seiner Kräfte, die
er nun nicht nur im Dienste des Herrn, sondern auch des Publikums
anwenden kann. Durch das Geld hat er die Möglichkeit erlangt, sich
in die besitzende Klasse emporzuarbeiten, was ihm wiederum die Hand-
habe gewährt, sich von dem Herrn loszukaufen und ein freier Mann
zu werden. Durch das Dazwischentreten des Geldes wird allmählich
das alte Hörigkeitsverhältnis gelockert und schließlich beseitigt. Jeder
wird selbständiger, aber auch isolierter. Der Grundherr hatte An-
spruch auf die Arbeitskraft seiner Untergebenen, dafür aber auch
die Verpflichtung zur Fürsorge in Fällen der Not. Mit Beseitigung
der Rechte fallen auch die Verpflichtungen fort, und der Arbeiter
steht in Zeiten der Bedrängnis hilflos da,

4. In der Zeit der Naturalwirtschaft beobachtet man das natür-
liche Bedürfnis der einzelnen Stände und Berufsklassen, sich zur Ver-
tretung ihrer Interessen eng zusammenzuschließen. Je mehr sich die
Geldwirtschaft einbürgert, um so mehr löst sich das alte Verhält-
nis, die Gegensätze gleichen sich aus. Es ist eine allgemeinere Ato-
misierung der Volkselemente zu beobachten.

5. Die Steigerung des Wohlstandes, die gewonnenen Geldmittel
führen unwillkürlich zu einer Erhöhung der Lebensbedürfnisse,
und diese regen wiederum zu stärkerer Produktion und Verwertung
aller Arbeitskräfte an. Damit kommt Leben in das ganze wirtschaft-
liche Treiben, und Fortschritt tritt an die Stelle der bisherigen Stag-
nation.

6. Da das Geld sich in einer Hand beliebig anhäufen Jäßt, so
ist damit die Möglichkeit gegeben, auch ohne Grundbesitz wirtschaft-
liche Macht zu erlangen. Neben dem Grundbesitzer bildet sich die
Klasse der Kapitalisten aus, die sich zwischen ihn und den Arbeiter
schiebt. Die Nachfrage nach diesen bewirkt die Besserung ihrer
Lage. In sozialer wie wirtschaftlicher Beziehung tritt die Klasse
der Kapitalisten den Grundbesitzenden entgegen und ringt mit ihnen
um die Herrschaft.

7. Die Staatsgewalt bezahlt nun die ihr geleisteten Dienste mit
Geld, und so bildet sich das Soldheer und ein von ihr abhängiger
Beamtenstand aus, der, von dem Grundbesitze losgelöst, den Staat
von der grundbesitzenden Klasse unabhängiger macht. Die Domänen-