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Ansprüche gegenüber, stehen Vorrat und Bedarf, Angebot und Nach-

[rage in angemessenem Verhältnis (was im allgemeinen der Fall sein

wird bei freier Konkurrenz, einem leicht und beliebig vermehrbaren

und einem entbehrlichen Gegenstande, z. B. Gemüse auf dem Wochen-

markt, gewöhnlichen Textil- und Eisenwaren usw.), So wird der Preis

Beschaffungs- auf die Herstellungskosten plus dem ortsüblichen Gewinn durch das

3rundlage des sich gegenseitig Ueber- und Unterbieten der Konkurrenten herab-

Preises. „drückt werden. Er wird sich dauernd nicht darüber und nicht
darunter halten können. '

Ein Steigen des Preises über jenes Minimum hinaus wird unter
solchen Umständen sowohl die Konsumenten zurückschrecken, die Nach-
frage verringern, als auch die Produzenten, die Verkäufer, resp. die
angebotenen Quantitäten vermehren, das Angebot steigern, wodurch
der Preis herabgedrückt wird. Eine größere Zahl von Personen wird
den gebotenen außergewöhnlichen Profit ausnutzen wollen und als
Konkurrenten auftreten, und es wird mehr Material herbeigeschafft.
Das reichlichere Angebot oder, was dasselbe ist, die vermehrte Kon-
kurrenz bei verminderter Nachfrage führt ein gegenseitiges sich Unter-
bieten der Verkäufer herbei, um eine größere Zahl von Kunden heran-
zuziehen und mehr Ware abzusetzen. Umgekehrt wird ein Herab-
yehen der Preise, welches den Gewinn des Verkäufers annulliert,
naturgemäß das Angebot vermindern und schließlich aufhören lassen,
während die billigen Preise mehr Käufer heranlocken und die Nach-
frage steigern. Die Konsumenten werden beginnen. sich zu über-
bieten, um von dem billigen Ankauf möglichst zu profitieren, Das Ver-
hältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich dann zugunsten
Jer Verkäufer und bewirkt eine Steigerung der Preise. Der Preis
zelbst reguliert hier offenbar Angebot und Nachfrage, wie diese ihrer-
zeits den Preis beeinflussen. Bei Konsumtionsgegenständen der unteren
Xlasse wird der Einfluß der Preisveränderung auf die Nachfrage sehr
Jald zu spüren sein und sehr energisch wirken, und um so mehr, je
antbehrlicher der Gegenstand ist, z. B. bei Zucker, Tabak usw. Aber
zuch der Brotkonsum wird durch die Preise erfahrungsgemäß sehr
arheblich beeinflußt. In den mahl- und schlachtsteuerpflichtigen
Städten Schlesiens schwankte der jährliche Konsum an Weizen von
1838—62 zwischen 76 und 152 Pfd. pro Kopf; in der Provinz Sachsen
der Roggenkonsum von 205 bis 353 Pfd., in Berlin von 140 bis
299 Pfd. Im Jahre 1847 verzehrte Berlin an Roggen und Weizen
zusammen pro Kopf nur 214 Pfd., im ‚Jahre 1857 365 Pfd., das ist
eine Differenz von 151 Pfd. Die wohlhabende Klasse wird durch
Preisveränderungen in ihrem Brotkonsum naturgemäß nicht in gleichem
Maße beeinflußt. So ist die Einwirkung der Preisverschiebung auf
len Konsum bei den verschiedenen Gegenständen sehr ungleich, wie
wiederum das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nicht gleich-
mäßig die Preise und Löhne beeinflußt, weil die Gewohnheit der Ver-
schiebung einen großen und bei den verschiedenen Gegenständen sehr
ungleichen Widerstand entgegensetzt. Wenn man früher sich damit
begnügte, die Preisregulierung ganz durch Angebot und Nachfrage zu
erklären, so ergibt sich, daß dies nicht ausreicht, denn die Preise
regulieren wiederum Angebot und Nachfrage. Man muß auf die Ur-
sachen zurückgehen, welche beide beeinflussen.

Es ist ferner zu berücksichtigen, daß auch bei genügendem Vor-
rat das Angebot vielfach künstlich zurückgehalten wird. Abgesehen

\ingebot und
Nachfrage.