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Verschiedene
Herstellungs-
kosten.

Jetreidepreise.

veränderung zum Ausdruck. Ebenso stehen die Preise von gewöhn-
ichen Wollen- und Baumwollenwaren in gewissem Zusammenhange,
ınd es können sich ausnahmsweise dabei Seltenheitspreise heraus-
bilden, die über die Herstellungskosten usw. erheblich hinausgehen,

Bei Verschiedenheit der Herstellungskosten !) der Waren wird der
Preis durch die unter den ungünstigsten Verhältnissen arbeitenden
Produzenten bestimmt, die noch zur Deckang des Bedarfs heran-
yezogen werden müssen. Dies tritt fortdauernd zutage, wo das Hand-
werk mit dem FäabrikbBetriebe im Kampfe steht, oder durch neue Er-
findungen eine erhebliche Herabsetzung der Herstellungskosten herbei-
yeführt ist. Solange nur wenige Fabriken entstanden sind, die nur
einen kleinen Teil des Bedarfs zu decken vermögen, werden sie sich am
besten dabei stehen, wenn sie noch die höheren Handwerkerpreise bei-
tehalten, da sie auch bei hohen Preisen genügend Absatz finden. Sobald
aber der größte Teil des Bedarfs durch Fabriken befriedigt werden
kann, wird die Konkurrenz derselben genügend wirken, um die Her-
stellungskosten der Fabrikware zur Basis der Warenpreise zu machen.
Der Verdienst des Handwerkers wird allmählich herabgedrückt, bis
ar nicht mehr zum Leben ausreicht, und das Handwerk ausstirbt. Bei
neuen Erfindungen werden zuerst Monopolpreise gefordert, solange der
Erfinder nicht so viel liefern kann, wie verlangt wird; wo der Gegen-
stand schon vorher hergestellt wurde, bleiben zunächst die alten
Preise unberührt. Erst wenn die neue Methode allgemein Anwendung
yefunden hat, oder eine konkurrierende Erfindung auftritt, gehen die
Preise entsprechend herunter, wie dies neuerdings bei chemischen
Medikamenten und Färbemitteln vielfach beobachtet werden konnte,
Die Höchster Farbwerke haben während der Dauer des Patentes bis
{898 Antipyrin für 120 M, per Kilo in den Handel gebracht, während
Jie Selbstkosten nur etwa 20 M. betrugen. Heute kostet es je nach
ier Fabrikmarke 15—25 M.

Die Beschaffungskosten sind ganz verschieden nach der Entfernung
vom Produktionsorte. Holz im Walde selbst ist sehr billig; in einer
om Walde 10 Meilen entfernten Stadt, wohin der Transport nur auf
dem Landwege bewirkt werden kann, wird es um das Mehrfache teurer
sein. Die Kohle in der Nähe der Bergwerke in Schlesien steht sehr
niedrig im Preise, dagegen in Berlin, wohin sie von dort gelangt,
noch, da die Transportkosten, Lagerungs-, Handelsspesen hinzutreten,
Die Verbesserung der Kommunikationsmittel bringt daher fortdauernd
Preisverschiebungen hervor.

Ein gutes Beispiel liefern die Getreidepreise, da das Getreide
anter sehr verschiedenen Produktionskosten hergestellt wird. Hier
bestimmt die Bodenart den Preis, welche die höchsten Produktions-
kosten beansprucht, oder die entlegenste Gegend, welche noch zur
Lieferung herangezogen werden muß, um den Bedarf zu decken... Dies
ist am klarsten ersichtlich mn Thünens „Isoliertem Staate“ (s. T. II
des Grundrisses), wo eine Stadt in einem kreisförmig herumliegenden
Territorium mit völlig gleichen, natürlichen und wirtschaftlichen Ver-
hältnissen. von der übrigen Welt durch eine Wüste abgeschlossen,

1) In der deutschen Roheisenindustrie weichen die Produktionskosten bei
GHießerei- und Thomasroheisen um 30% ab, weil die Technik und Betriebskonzen-
tration ungleich entwickelt ist, und die natürlichen Prodnktionsgrundlagen an den
Sitzen der deutschen Hochofenindustrie keine gleichmäßigen sind. Goldstein: Die
Entwicklung der deutschen Roheisenindustrie seit 1879. Berlin 1908.