yedacht wird. Hier sind der Bedarf der Stadt und die Entfernung,
aus welcher noch Getreide zugeführt werden muß, bestimmend für den
Preis. Er muß so hoch steigen, daß noch die entlegensten Gegenden,
welche zur Deckung des Bedarfs herangezogen werden müssen, Pro-
duktionskosten und Transportkosten ersetzt erhalten. Je stärker die
Bevölkerung der Stadt steigt, um so weiter müssen die Lieferungs-
kreise ausgedehnt werden, um so größer sind die Transportkosten und
am so höher ist der Getreidepreis in der Stadt. Diese wird nur dann
das nötige Getreide erhalten, wenn sie genügend bietet, um die Kosten
zu ersetzen. Dies kommt aber auch den übrigen, günstiger gelegenen
Landwirten zugute, deren Reinerträge dadurch steigen. Eine Steige-
ung der Unkosten der dazwischen gelegenen Kreise ist ohne Einfluß
auf den Preis, solange dadurch der Reinertrag nicht vollständig ab-
sorbiert wird.
8 44.
Die Preisregulierung bei beschränkter Konkurrenz.

v. d, Borght, Einfluß des Zwischenhandels auf die Preise, Leipzig 1888,

Verhandinngen des Vereins f, Suzialpolitik in Frankfurt 1888. Leipzig 1888.
; Ta Kockerscheidt, Ueber die Preissteigerung chemischer Produkte, S. 92.
enäa .

r Zar Schultze, Die Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland.
ena *

0. Spann, Theorie der Preisverschiebung. Wien 1913.

Ist der Vorrat beschränkt, so bestimmt der Käufer den Preis, der
den höchsten noch ökonomisch gerechtfertigt findet; z. B. bei öffent
licher Versteigerung.

In England werden die in den Häfen eingetroffenen Schiffsladungen
von Wolle und Baumwolle meist öffentlich versteigert, wie in Frank-
reich und am Rhein die Weine größerer Produzenten, ebenso die edlen
Zuchttiere, Böcke, Rennpferde usw. in England und Deutschland. Die
Kauflustigen kommen aus allen Gegenden zusammen und überbieten
sich. Derjenige erhält den Zuschlag, der das höchste Gebot macht;
er bestimmt den Preis. Ein ähnliches Verfahren ist überall im Ver-
kehre zu beobachten, wo der Vorrat ein beschränkter ist. Die Her-
stellungs- resp. Beschaffungskosten bilden nur die untere Grenze, über
welche der Preis je nach den Geboten erheblich hinausgetrieben wird.
Das sich Ueberbieten der Kauflustigen geschieht, ohne daß sie sich
liessen bewußt sind: oder der Verkäufer läßt es nicht zur Versteige-
rung kommen, sondern stellt die Preise der Kaufkraft und Kauflust
ler Leistungsfähigsten gemäß auf, und es ist die wichtige und
schwierige Aufgabe des Kaufmanns, hier mit dem richtigen Ver-
ständnis die Preise den Verhältuissen anzupassen. Kin gutes Beispiel
liefern die Samenhändler in Deutschland, die dem Usus gemäß
gleichzeitig ihre Preiskourante versenden, in denen für jede Sorte in
jedem Jahr nach dem Ausfall der Ernte die Preise von den Kon-
kurrenten unabhängig voneinander aufgestellt werden, wobei nicht die
Herstellungskosten des einzelnen Jahres den Maßstab abgeben, die oft
nicht erreicht werden können, sondern die Zahlungsfähigkeit des
Publikums nach dem zu erwartenden Verhältnis von Angebot und
Nachfrage, Setzt ein Händler nach einer Mißernte bei einer Sorte
die Preise zu hoch an, so schreckt er die Kunden überhaupt zu sehr
ab, die sich einem Konkurrenten zuwenden und dort ihren ganzen

Yersteigerung.