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Seltenheits-
preise.

Bedarf auch an anderen Sorten beziehen; setzt er die Preise zu
ıedrig an, so wird er zwar seinen Vorrat schnell los, erzielt aber
2aicht den Gewinn, der für ihn möglich gewesen wäre.

Je größer die Dringlichkeit des Bedarfs, um so mehr kann der
Preis über die Herstellungskosten steigen (Seltenheitspreise), und um
30 mehr wird die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß Preisschwankungen
Joch über das Mißverhältnis von Vorrat und Bedarf hinaus hervorrufen,
Die Grenze jeder möglichen Preissteigerung liegt, wie erwähnt, in der
Zahlungsfähigkeit der Konsumenten, Die Grenze wird daher, wofür
schon Belege angeführt sind, beim Bedarf der ärmeren Klasse früher
eintreten als bei dem der reicheren, und um so mehr, wenn es sich
am entbehrliche Gegenstände handelt,

Diese Seltenheitspreise bilden sich nun im wirtschaftlichen Leben
sehr allgemein aus und spielen eine weit größere Rolle, als gewöhnlich
angenommen wird. Sie sind es, die den Unternehmergewinn liefern.

Dieselbe Fabrik setzt für die verschiedenen Waren, welche sie
herstellt, z. B. in der Wirkwarenbranche, die Preise mit sehr ver-
schiedenem Zuschlage zu den Herstellungskosten an, je nachdem die

Artikel der allgemeinen Konkurrenz verfallen oder einzig in ihrer
Art, mit neuen Mustern von besonderem Geschmack dastehen, also
Seltenheitspreise gestatten. Die Händler begnügem sich mit einem
sehr geringen Preise bei Waren, welche die große Masse der Be-
völkerung fortdauernd bezieht, und die in jedem Laden zu haben sind,
z. B. gewöhnliche Baumwollenhandschuhe. ‘Sie nehmen höhere Profite
bei Waren von auserlesenem Geschmack, die als Spezialitäten ange-
sehen werden können, z. B. feingemusterte Seidenhandschuhe. Letztere
werden unter Umständen allerdings behufs Reklame auch sehr billig
abgegeben, wenn besonders großer Absatz zu erwarten ist. Der Anti-
quar setzt in seinem Katalog die gangbarsten Bücher so billig als
möglich an. Bei den seltenern fordert er höhere Preise, auch wenn
er sie billig gekauft hatte, und schraubt sie so weit, als er glaubt
noch Käufer dafür finden zu können. Vielfach findet eine erhebliche
Preissteigerung statt, ohne daß die Unkosten dabei sehr gesteigert
sind. Ein gutes Beispiel gibt Schmoller an: Der Wein eines guten
Jahrganges gewinnt durch einfaches Lagern häufig sehr bedeutend an
Wert, seine Qualität verbessert sich und erzielt einen Seltenheitspreis,

Die Konkurrenz ist nun in den seltensten Fällen eine unbedingt
freie, mehr im Groß- als im Kleinhandel, weshalb die Ausgleichung
sehr unvollkommen ist, und die Herabärückung auf den Normalpreis

im gewöhnlichen volkswirtschaftlichen Verkehr seltener vorkommt, als
meistens angenommen wird. Die allgemeine Trägheit des Publikums,
welches an den alten Preisen festhält, Kurzsichtigkeit usw. erschweren
Veränderungen und gestatten Monopolpreise, auch wo das Monopol
kein natürliches ist und sehr wohl gebrochen werden könnte.

Der Arbeiter ist darauf angewiesen, um Zeitverlust zu vermeiden,
in dem Laden zu kaufen, der in nächster Nähe liegt. Ihm fehlt natur-
zemäß die Umsicht, um die Vergleichung der Preise in verschiedenen
Läden oder gar an anderen Orten vorzunehmen. In kleinen Städten
tritt leicht eine Ringbildung der kleinen Zahl der Händler ein, um
die Preise zu beherrschen. Wo die Qualität des Fabrikates von be-
Sonderer Bedeutung ist, wird der gute Ruf einer Firma ihr gestatten,
Monopolpreise zu fordern, z. B. einer Maschinenbauanstalt für ihre
Maschinen. die sich eines besonderen Renommees erfreuen. Auf dem