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suchung gewaltig. Der Arbeiter kann seine Aufgabe vollkommen
erfüllt und seinen Lohn verdient. haben; war sie aber vom Unternehmer
in falsche Richtung geleitet, so blieb sie unproduktiv und ein lohnender
Preis für die Leistung wird nicht zu erlangen sein, der gleichwohl
ein angemessener gewesen sein kann. Jede falsche Berechnung der
Konjunkturen muß solch Mißverhältnis zur Folge haben. Hat der
Landwirt, der die Preisentwicklung bei den landwirtschafılichen Pro-
dukten zu optimistisch beurteilte, das Gut zu teuer bezahlt oder zu
einem zu hohen Pachtpreis übernommen, so daß er bei den vorliegenden
Getreidepreisen die Zinsen der Pacht nicht herauswirtschaften kann,
wird er schwerlich Anlaß haben, sich über ungerechte Preise zu be-
klagen, so wenig wie der Aktionär, der die Aktien eines Kohlenberg-
werks im ungünstigen Moment zu sehr hohem Kurs kaufte und keine
Dividende erzielte, oder der Fabrikant, der das Rohmaterial zu teuer
einkaufte und für die Ware keinen ausreichenden Preis erzielte, um
die Produktionskosten zu decken.

8 45.
Der Preis des Grund und Bodens.

m KR Die Häuserpreise in Freiburg während der letzten 100 Jahre.
Jena .

H. Paasche, Die Entwicklung der Preise und der Rente des Immobilienbesitzes
zu Halle a. S. Halle 1878,

Adolf Weber, Ueber Bodenrente und Bodenspekulation in der modernen Stadt.
Leipzig 1904.

Bherstadt, Städtische Bodenfragen. Berlin 1894,

Ders., Die Spekulation im neuzeitlichen Städtebau. Jena 1907. Publikation
des Vereins f. Sozialpolitik.

Städtische
Grundpreise.

Der Grund und Boden ist nur in beschränkter Ausdehnung vor-
handen, und der Mensch vermag nur wenig auf die Erweiterung ein-
zuwirken. Allerdings nimmt der nutzbare Boden noch heutigen
Tages in den Kulturländern zu, aber nicht in dem Maße wie die Be-
Völkerung. Das Angebot ist daher auf höherer Kulturstufe nur wenig
zu erweitern, während demgegenüber bei aufblühenden Völkern durch
das Wachsen der Bevölkerung die Nachfrage fortdauernd steigt. Der
Preis des Grund und Bodens muß daher bei regulärer Eutwicklung
unaufhörlich in die Höhe getrieben werden. Das ist am deutlichsten
bei den städtischen Bauplätzen zu beobachten, wo der Preis durch
das Anwachsen der Stadt steigt, ohne daß Arbeit darauf verwendet
zu sein braucht. Gewisse Lagen der Stadt werden besonders bevor-
zugt. In alter Zeit bildete der Markt den Mittelpunkt der Stadt,
um den sich der Verkehr konzentrierte; von ihm liefen die Haupt-
straßen aus, wo Läden und Werkstätten auf den meisten Zuspruch
rechnen konnten. Dort hatte der Bauplatz, das Haus den höchsten
Wert, dort war die höchste Miete zu erhalten, da die Plätze rar, die
Nachfrage allgemein war. Je mehr die Stadt anwuchs, um so höher
stiegen die Preise, bis eine Ableitung, z. B. durch die Anlage eines
Bahnhofes nach dem einen Ende der Stadt, eintrat und der Verkehr
eine andere Richtung gewann. Die Straßen-, besonders die elek-
trischen Bahnen tragen mehr und mehr zur Entlastung des Innern
der Stadt bei, die, wie die City von London, immer ausschließlicher
für Geschäftslokalitäten reserviert wird, während die Wohnungen an